Von Paradiesvögeln, Zylinderputzern und der African Queen

Es herrscht lebendiges Treiben in Wuze Town. Strahlende Kinder schlüpfen unter blühenden Schmucklilien hindurch in ein Bambustipi. Familien schlendern an Korn- und Ringelblumen vorbei zum lustigen Papagei, in dem die Kleinen sich vor Lachen die Bäuche halten. Am Rande des Weges warten Gemüsepflanzen und Salate augenscheinlich auf die Ernte durch die Bewohner dieses idyllischen Tals. Fast meint man, das lustige Völkchen der Wuze dabei beobachten zu können…

„Wir pflanzen eben nicht einfach nur ein paar Sommerblumen ein. Wir gestalten damit ganze Welten“, sagt Gartendesigner Michael Jost stolz. Ob Wuze Town, Africa oder Mexico: Im Phantasialand hat jeder Themenbereich seine ganz eigene Atmosphäre. „Und im Sommer können wir den individuellen Charakter besonders hervorheben“, sagt Michael Jost, der die Sommerbepflanzung im gesamten Phantasialand geplant hat. Er und sein Gärtner-Team haben in den vergangenen Wochen tausende Pflanzen und bunte Blumen einzeln von Hand eingepflanzt. Mit phantastischem Effekt!

Ein gelber Drache aus Begonien schlängelt sich plötzlich durch China Town. Auf dem Kaiserplatz in Berlin ranken sich Mandevillas mit ihren trichterförmigen Blüten um schmucke Rundbögen. Ein Schachbrett aus Blumen lädt im kleinen Garten hinter dem Mystery Castle zum Verweilen ein. Und die orangegelbe African Queen verströmt „Deep in Africa“ ihren faszinierenden Duft.

35.000 Pflanzen, 200 verschiedene Sorten

Während die Sommerbepflanzung entsteht, wird das Phantasialand jeden Tag noch ein bisschen bunter. Die Themenwelten lebendiger. Und das Erlebnis perfekt.

Denn erst die vielen Details machen das Eintauchen in fremde Welten möglich – von der Gestaltung der Gebäude und Attraktionen über die Kostüme der Themenkünstler bis hin zur Musik und eben der blühenden Landschaft. Unglaubliche 35.000 Blumen wurden extra für den Sommer eingepflanzt – und machen das Phantasialand zu einem echten Paradies. In dem es überall Neues zu entdecken gibt.

„Jeder Themenbereich hat seine eigene Farbkombination“, erklärt Michael Jost. „Im Garten bei Mystery Castle setzen wir dieses Jahr zum Beispiel ganz auf schwarz-weiß, um die mystische Stimmung dort noch zu unterstützen. Weiße Eisbegonien und schwarze Purpurglöckchen bilden dort ein Schachbrettmuster, umrandet von schwarzen Calla und weißen Dahlien.“

Mehr als 200 verschiedene Pflanzenarten werden für den Sommer im Phantasialand angepflanzt. Und die wollen auch versorgt werden. Damit die Blumen nicht die Köpfe hängen lassen, drehen die Gärtner schon frühmorgens ihre Runde, ausgerüstet mit Schläuchen und Wasserwagen. Eine Mühe, die sich lohnt für all die bunte Farbenpracht.


Praxistipp: Pflanzen gießen im Sommer
Auch Pflanzen bekommen einen Sonnenbrand! „Speziell Begonien sind da sehr empfindlich“, sagt Michael Jost. „Wenn die bei hohem Sonnenstand gegossen werden, verbrennen die Blätter.“ Und dann ist es mit den schönen bunten Blüten schnell vorbei. Generell gilt auch im Garten: am besten frühmorgens oder spätabends gießen. Gerade Pflanzen in Behältern brauchen viel Wasser, weil sie sich ohne lange Wurzeln nicht selbst versorgen können.

„Es war mir schon als Kind ganz wichtig, ein kleines Stückchen Natur zu gestalten. Zuhause in der Pfalz bepflanze ich das ganze Dorf – mit Zypressen, Wein und Lavendel“, erzählt Michael Jost. Ihn naturverbunden zu nennen, wäre wohl noch deutlich untertrieben. Kein Wunder, dass er bei der Arbeit im Phantasialand ins Schwärmen gerät.

„Im Sommer haben wir hier eine riesige Palette an Blumen zur Verfügung, auch aus den Tropen. Die japanische Faserbanane oder die Hanfpalme waren früher etwas hochexotisches. Mittlerweile fühlen sie sich hier im Phantasialand heimisch, weil es im Durchschnitt deutlich wärmer geworden ist in den vergangenen 15 bis 20 Jahren.“

 

„Das Phantasialand kann locker mit jedem botanischen Garten mithalten“

„Die Orangerien entstanden zur Zeit des Barocks“, erzählt Michael Jost. „Damals gab es einen kleinen Wettstreit der Adeligen und der Reichen: Wer hat die schönsten und exotischsten Pflanzen, wer hat die größten Palmen oder die seltensten Blumen. Und dafür wurden eben aufwendige Orangerien gebaut, weil diese Pflanzen aus dem Süden kamen und viel Wärme brauchten. Die Orangerie im Phantasialand hoch oben über dem Kaiserplatz ist angelehnt an diese barocken Orangerien wie im Schloss Sanssouci.“

Exotisch ist auch das Stichwort für die Orangerie in Berlin. Hier reckt der Paradiesvogel seinen Kopf mit den gelb-orangen Blüten dem Wellenflug mit seinen glitzernden Wasserfontänen entgegen. Hoch oben auf dem Arkadengang wachsen Palmen, Hängepflanzen und bunte Sommerblumen.

Und unten in Berlin? Da blüht die Kaiserzeit! Der Zylinderputzer breitet seine flaschenförmigen Blütenstände aus, die Calla blüht neben der „Stolzen von Berlin“, einer rosafarbenen Dahlie. Die edlen Blumen schmiegen sich an die 20er-Jahre-Häuser mit ihren kleinen Erkern und verwandeln die große Straße und den Kaiserplatz in einen romantischen Ort, den es zu entdecken lohnt.

„Mit den mehr als 200 verschiedenen Sorten Sommerblumen und all den anderen Pflanzen, Bäumen und Sträuchern können wir locker mit jedem botanischen Garten mithalten“, sagt Michael Jost. „Es ist wirklich, als wäre man im Urlaub. Und das Besondere am Phantasialand ist, dass wir niemals fertig werden. Jedes Jahr entwickeln wir unsere Ideen weiter, sind aufs Neue kreativ. Und machen Africa, Mexico und all unsere anderen Welten noch etwas lebendiger.“

Author

Rebecca Kranz