Über garstige Gnome und kluge Köpfe

Sie haben spitze Ohren. Lange Finger. Und ein garstiges Gemüt: Die zänkischen Basaltkobolde aus Klugheim. Manchmal kann man sie tief im Innern des imposanten Basaltgebirges flüstern hören. Seit Urzeiten leben sie dort, verborgen tief im harten Lavagestein. Kaum jemand hatte sie je zu Gesicht bekommen – bis die Bewohner Klugheims die ungezügelten Kräfte tief im Erdinnern entdeckten und sich für großartige Erfindungen zunutze machten. Die Begegnung mit der pulsierenden Urkraft der Erde war allerdings nicht die einzige, die die klugen Köpfe damals machten…

Eine mystische Welt

Klugheim hat eine ganz besondere Geschichte“, schwärmt Annette Pieck. „Und es wächst immer weiter. Unsere Gäste können jetzt wieder etwas ganz Neues entdecken, wenn sie mit TARON durch Klugheim rasen wollen. Es macht einfach große Freude, die Geschichte dieses Dorfes immer weiter zu erzählen.“ Die Bau- und Projektleiterin im Phantasialand weiß genau, wovon sie spricht. Denn sie hat die einzigartige Themenwelt Klugheim von Beginn an mitgestaltet. Hat antike Einzelstücke gesucht und gefunden, die Klugheim Leben einhauchen. Dunkle Holzfässer, Kupferkessel mit echter Patina und ungewöhnliche Gerätschaften, die von fleißigen Dorfbewohnern und ihren kraftraubenden Aufgaben erzählen. 

„Klugheim hat neben dem rustikalen Dorfleben auch noch eine mystische Seite. Das macht es auch so unheimlich spannend und vielfältig“, erzählt Annette Pieck begeistert. Und deutet hinter sich. In einem Käfig ist eine Gestalt zu erkennen. Zusammengekauert und…versteinert? „Das sind sie – die Basaltkobolde. Wirklich unangenehme Gesellen“, schmunzelt Annette Pieck. „Sie machen den Klugheimern von jeher das Leben schwer. Bewerfen sie bei der Arbeit im Gebirge mit kleinen Steinchen oder stehlen ihnen ihr Werkzeug. Aber wir wären nicht in Klugheim, würden die Bewohner sich das einfach so gefallen lassen!“

Schon in Rutmor`s Taverne ist ein beeindruckendes Zeugnis der Wehrhaftigkeit der Klugheimer zu bewundern: der König der Kobolde. Gefangen von den Dorfbewohnern und als Warnung an seine Schergen zur Schau gestellt. Dennoch kommt es immer wieder vor, dass Basaltkobolde in Klugheim ihr Unwesen treiben. „Die Klugheimer wissen aber, dass die Kobolde im Sonnenlicht in einen tiefen Schlaf fallen und dann langsam versteinern. Genau diese Geschichte wollten wir erzählen – so authentisch wie jede andere kleine Begebenheit in diesem wundervollen Dorf. Gut, dass wir für solche Aufgaben genau die richtigen Künstler kennen!“ 

Von Angesicht zu Angesicht

 „Irgendwann weiß ich, wen ich vor mir habe“, sagt Jan Ptassek, während er dem Kobold konzentriert ins Gesicht blickt. Der starrt unbeeindruckt zurück – und lässt dennoch tief blicken. „Bildhauerei ist ein Prozess. Am Anfang arbeitet man in Serie – formt Arme und Beine und gestaltet Hände. Aber jetzt bin ich an einem Punkt, an dem sich der Kobold wie von selbst weiterentwickelt. Da entsteht dann fast automatisch zum Beispiel ein bestimmter Gesichtsausdruck.“

Seit gut 25 Jahren ist die Firma fake-filmconstruction in der internationalen Filmszene gefragt. Die erfahrenen Set- und Bühnendekorateure haben schon Szenenbilder und Kulissen für mehrfach ausgezeichnete Blockbuster wie „Das Parfüm“ und die Literaturverfilmung „Der Vorleser“ entworfen. Seit einigen Jahren ist fake auch Partner des Phantasialand und hat für uns unter anderem die stimmungsvollen Höhlen von Chiapas – DIE Wasserbahn und die Burganlage von River Quest mitgestaltet.  

In Jan Ptasseks Werkstatt im Süden Nordrhein-Westfalens entstehen insgesamt acht Basaltkobolde. Sie alle werden Klugheim bevölkern. Gefangen in Käfigen und dem Sonnenlicht ausgesetzt. „Das ist total spannend, sich da rein zu fühlen. Wie würde ich mich vor dem Licht schützen? Wie würde ich meine Augen bedecken?“, fragt sich Jan Ptassek, während er mit zementbasiertem Klebematerial einen Zahn formt. Er gehört zu den Experten von fake-filmconstruction, die schon vielen Bereichen im Phantasialand einen besonderen Zauber eingehaucht haben. Jan Ptassek selbst hat zum Beispiel schon den König der Kobolde in Rutmor’s Taverne gestaltet. „Das ist wirklich eine große Freude! Weil im Phantasialand Welten entstehen, die Bestand haben. Und ganz viele Gewerke daran beteiligt sind.“

Wie aufs Stichwort ertönt am anderen Ende der Werkstatt das Kreischen einer Motorsäge. Denn auch Holzbildhauer Björn Poppinga ist an dieser besonderen Welt namens Klugheim beteiligt. Seine Drachen bevölkern die nach traditionellem Handwerk gebauten Dächer im Dorf. Als Symbol für Schutz und Stärke. Klar, dass diese mächtigen mystischen Wesen auch an dem Platz nicht fehlen dürfen, an dem die Klugheimer ihre garstigen Widersacher, die Basaltkobolde, bezwingen.

Das Holz einer Douglasie ist die Basis für Klugheims Drachen. Mit der Motorsäge schafft Björn Poppinga aus unförmigen Blöcken die ersten Konturen der Schutzpatrone. Mal bricht er ganze Stücke heraus, mal streichelt er sanft die Oberfläche der Balken. Und ist nach kurzer Zeit selbst über und über mit Holzspänen bedeckt. „Holz ist ein wunderbares Material. Aber es kann auch zickig sein. Widerspenstig. Wenn du zum Beispiel gegen die Faser arbeitest, reißt das Holz sofort ein. Das Material kann dir also schonmal Grenzen aufzeigen – dir aber genauso gut mit seiner natürlichen Form etwas eröffnen. Und du merkst, wie gut sich alles zusammenfügt.“ Konzentriert schält Björn Poppinga mit Klöppel und Schnitzeisen die Augen und die Backen des Drachens aus dem Holz. Und langsam, ganz langsam, ist er zu erkennen, der besondere Klugheim-Charakter. „Diese Drachen haben ihre ganz eigene Sprache. Ihren eigenen Ausdruck. Damit sind sie unverwechselbar – echte Klugheim-Drachen eben!“

Eine unbändige Macht

Wer heute mit dem mächtigen Zug TARON durch Klugheim rasen will, begegnet ihnen: den hinterlistigen Basaltkobolden. In tiefem Schlaf liegen sie hoch über den Köpfen der furchtlosen Besucher. Diese fossilen Gesellen sind stummes Zeugnis der Geschichte Klugheims und des Einfallsreichtums seiner Bewohner. Und sie begegnen jedem, der seinen eigenen Mut unter Beweis stellen will.

TARON bahnt sich jeden Tag seinen Weg durch Klugheim, um die gewaltigen Kräfte aus dem Inneren der Erde im ganzen Dorf zu verteilen. Und nur die Unerschrockenen wagen es, auf seinem Rücken haarscharf vorbei an imposantem Basaltgestein und mitten durch die Häuser zu jagen – um sie selbst zu erleben, die unbezwingbare Kraft dieser einzigartigen Maschine. Und wer ganz genau hinschaut, erhascht während dieses unvergesslichen Ritts vielleicht einen Blick auf einen lebendigen Basaltkobold – in einer schattigen Schlucht inmitten des eindrucksvollen Gebirges, das Klugheim seinen unverwechselbaren Charakter verleiht.  

Author

Rebecca Kranz