Von der Kunst, die richtigen Töne zu treffen

Die verspielten Töne von Oboen und Klarinetten tanzen durch Berlin, vorbei am verrückten Hotel Tartüff mit seinen leuchtend roten Markisen. An den schmucken 20er-Jahre-Häusern branden die Klänge von Posaunen und Trompeten empor wie die Wasserfontänen am Wellenflug. So lieblich wie der Duft der Blumen auf dem Kaiserplatz umspielen Violinen, Celli und Kontrabässe diese Welt, die völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint. Hier spielt ein ganzes Sinfonieorchester auf – und macht das Berlin der 20er-Jahre so lebendig und imposant wie nie zuvor!

„Der Soundtrack für Berlin sollte die Größe und die Schönheit dieses Themenbereichs noch einmal ganz deutlich hervorheben“, sagt Michael Laß, Toningenieur im Phantasialand. „Berlin ist ein zentraler Punkt des Phantasialand und auch ein Empfangsportal für viele unserer Gäste. Wir wollen, dass sie sich sofort wie in einer anderen Welt fühlen und den Alltag vergessen.“ Und deswegen ist die neue Musik so vielfältig wie Berlin selbst: mal entspannt wie die kleine Pause in Lilli’s Café, mal verspielt wie die Themenkünstler in ihren handgemachten Kostümen und dann wieder so eindrucksvoll wie die originalgetreuen Häuser.

Eine Komposition, so einzigartig wie Berlin

IMAscore produziert seit 2009 Musik und Sounds für mittlerweile mehr als 3.000 Projekte. Darunter sind TV-Kampagnen für Kino-Blockbuster wie „Jurassic World: Fallen Kingdom“ und „Avengers: Infinity War“ und Trailer für Videospiele wie „Final Fantasy XV“. Spezialisiert hat sich die Firma aber auf Soundtracks für Freizeitparks. Die enge Zusammenarbeit mit dem Phantasialand hat mit dem einzigartigen Soundtrack für Chiapas – DIE Wasserbahn begonnen – der von IMAscore eigens komponiert und vom Budapester Filmorchester eingespielt wurde. Auch für Klugheim ist in Abstimmung mit dem Phantasialand eine unverwechselbare Komposition entstanden. Mit den Projekten für das Phantasialand hat IMAscore nach eigener Aussage Maßstäbe gesetzt.

„Man hat nicht oft die Möglichkeit, so detaillierte Musik zu schreiben“, freut sich Xaver Willebrand von IMAscore. Mit seinen Anforderungen an die neue Musik für Berlin hat das Phantasialand die Sound-Experten aus Paderborn wieder einmal vor eine große Herausforderung gestellt. Sie mussten den Charakter Berlins in Töne fassen. „Wir werden immer wirklich ans Limit getrieben – beziehungsweise auch noch darüber hinaus. Das macht das Phantasialand ja selbst auch mit der Gestaltung seiner Themenwelten und Attraktionen. Und diesen Maßstab möchten wir natürlich auch musikalisch mittragen.“

Im Phantasialand ist die Musik ein wesentlicher Bestandteil der Atmosphäre. Um die unbeschwerte Leichtigkeit in Berlin richtig in Szene zu setzen, war ein realistischer Orchesterklang besonders wichtig. Jedes Instrument eines klassischen Sinfonieorchesters ist in der Straße Berlin zu hören. Dafür hat IMAscore jede einzelne Note selbst gesetzt oder über ein Midi-Keyboard eingespielt.

„Wir komponieren im Grunde so wie klassische Komponisten“, erklärt Xaver Willebrand. „Nur eben nicht mit Notenblatt und Feder, sondern digital. Das heißt, die Musik für Berlin ist Note für Note neu komponiert und nirgendwo anders zu finden.“

Ob das Werk der Soundexperten tatsächlich gelungen war, konnte Toningenieur Michael Laß erst mitten in Berlin feststellen. Im trockenen Tonstudio war es unmöglich zu sagen, ob die Musik die richtige war, um die Stimmung aufzugreifen und zu verstärken.

„Ich hatte Musik von IMAscore bekommen und habe im Tonstudio gedacht: das ist viel zu mächtig und viel zu episch. Und dann habe ich mir das mal auf dem Kaiserplatz angehört und festgestellt, dass gerade dieses große, epische Stück wunderbar zur Atmosphäre des großen epischen Kaiserplatzes passt. Und er durch die neue Musik noch viel würdevoller und intensiver wirkt.“

Der richtige Ton war also getroffen. Jetzt hieß es, ihn an die Herausforderungen in Berlin anzupassen. Denn der neue Soundtrack musste sich zum Beispiel gegen die Wasserfontänen des Wellenflugs durchsetzen, durfte aber auch nicht stören. Und zwischen den Hausfassaden in der Straße Berlin war wieder eine andere Lautstärke gefragt. In insgesamt sechs Zonen mit verschiedenen Sound-Systemen hat Michael Laß das exklusiv für das Phantasialand komponierte Werk zum Klingen gebracht – für ein Gesamterlebnis, das es so nur im Phantasialand gibt.

„Mit dem neuen Soundtrack ist Berlin unverwechselbar und eigen, wie alles hier im Phantasialand. Die Musik passt zu unserem Berlin – und zu nichts anderem.“

„Das ist das Geheimnis des Phantasialand“

„Ohne die Musik würde vieles wie ein Kartenhaus zusammenfallen“, sagt Michael Laß. „Denn das ist ja das Geheimnis des Phantasialand: Ein Zusammenspiel zu schaffen aus allem. Ohne bombastische Szenerie und musikalische Unterstützung bleibt auch die tollste Achterbahn eine Achterbahn. Und so etwas gibt es bei uns nicht. Wir haben Mexico, Klugheim und Berlin - und das sind Welten, die von uns geschaffen werden.“

Zu den beschwingten Tönen von Flöten und Oboen tummeln sich Damen in altmodischen Badekleidern im Zentrum von Berlin. Der herrliche Duft aus der Waffelbäckerei mischt sich mit den weichen Klängen der Streichinstrumente. Und die gemütlichen Terrassen auf dem Kaiserplatz laden dazu ein, in aller Ruhe die Atmosphäre zu genießen. Wer hier die Augen schließt und dem erhabenen Klang des Sinfonieorchesters lauscht, der ist endgültig angekommen im Berlin der 20er Jahre.

Author

Rebecca Kranz