Bei Fantissima gibt er mit seinen Melody Makers den Ton an: Volodymyr Nekrasov. Über ein Leben im Takt.

Volodymyr Nekrasov greift zur E-Gitarre. Umfasst mit seinen schlanken Fingern das Plektron – und schlägt an. Ein satter Ton erfüllt das Fantissima-Theater. Und es ist klar: dieser Mann mit den sanften blauen Augen unter dem verträumten Pony spricht sie, die Sprache der Musik. E-Gitarre und Trompete klingen in seinen Händen einfach einmalig. Und erzählen Geschichten. Von romantischer Liebe, unerwiderten Gefühlen, großen Befreiungsschlägen und purer Freude.

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Drei Stunden vor Showbeginn stimmt Volodymyr Nekrasov auf dem Band-Balkon im Fantissima-Theater seine E-Gitarre. Hier geben der Musiker aus der Ukraine und seine Melody Makers jeden Abend alles, um die Gäste bei Deutschlands erfolgreichster Dinnershow mit Live-Musik zu begeistern. Seit 2005 ist Volodymyr Nekrasov Teil von Fantissima. Dazu wäre es vielleicht nie gekommen, wäre er nicht im Kindergarten seiner großen Liebe begegnet.

„Musik ist meine Sprache“

Das Klavier hatte es dem kleinen Volodymyr sofort angetan. Vor über 40 Jahren spielte Volodymyrs Erzieherin im Kindergarten eine Melodie. Statt wie seine Freunde nur zu klatschen und zu tanzen, wollte Volodymyr Nekrasov sofort selbst spielen. Und dem Instrument eigene Töne entlocken. Ein Moment, der seine Liebe zur Musik geprägt hat. Heute sagt er: „Musik ist mein Leben. Und meine Sprache.“

An der Kiev Lysenko Special Music School lernte er, wie ein Profi mit der Trompete umzugehen. In einer Big Band des Militärs spielte er Gitarre und perfektionierte sein Spiel danach bei einem Privatlehrer – und mit „üben, üben, üben“. 2005 wurde er schließlich bei einem Casting in Kiew für Fantissima entdeckt. Heute ist die Dinnershow im Phantasialand sein zweites Zuhause, sagt der Bandleader. „Ich finde es einfach toll, jeden Abend mit diesen phantastischen Musikern zusammen spielen zu dürfen“, sagt Volodymyr Nekrasov mit leuchtenden Augen. „Fantissima ist wie Familie für mich.“

Mit allen im Takt

Eine Stunde, bevor die ersten Gäste das Fantissima-Theater betreten, spielt die sechsköpfige Band sich warm. Unter die abendliche Besprechung des Service-Teams mischen sich die Klänge von Posaune und Saxophon. Es ist der allererste Eindruck dieses mitreißenden Fantissima-Sounds, den Volodymyr Nekrasov auf dem Notenblatt erschafft.

„In der Probenzeit vor der Premiere erzählt mir unsere künstlerische Leiterin Manuela Löffelhardt, welche Songs sie sich in der Show wünscht – für die Auftritte unserer Artisten, Sänger und der JB Dance Company. Und dann überlegen wir zusammen, wie wir diese Songs mit unseren Instrumenten spielen können und wie sie am besten mit dem Geschehen auf der Bühne harmonieren.“

Kein Song wird für Fantissima eins zu eins übernommen. Oft werden sie gekürzt, die Tonart wird angepasst oder Volodymyr Nekrasov schreibt ein neues Ende. „Das Lied darf nicht einfach langsam auslaufen. Nur mit einem konkreten Schluss-Akkord kann das Ballett nach einem Tanz eine schöne Pose zeigen. Die Tänzer haben mir gesagt, dass unsere Live-Musik ihnen ein ganz anderes Feeling gibt als es Musik von der CD könnte – einfach mehr Energie und einen gewissen Groove.“ Auch mit den Sängern ist Volodymyr Nekrasov beim Komponieren der Musik in ständigem Kontakt und stimmt mit ihnen die Tonart der Lieder ab. "Anastasija Zmaher und James Smith wollen schließlich über die gesamte Spielzeit von zehn Monaten die Lieder perfekt performen – und dafür müssen sie sich mit der Tonart wohlfühlen!“

Lieblingsmusik? Pink Floyd und Schubert!

Dezente Klaviermusik erfüllt das stylische Foyer von Fantissima. Oleksandr Strelkivskyi von den Melody Makers sitzt am Flügel und stimmt die Gäste auf ihren Abend voller Genuss und atemberaubender Showmomente ein. Volodymyr Nekrasov liebt bis heute den Klang des Klaviers. Sein Lieblingsinstrument ist es allerdings nicht. Oder doch: denn er liebt sie alle. Weil jedes Instrument seinen ganz eigenen Klang hat, erklärt er. Auch bei seiner Lieblingsmusik legt er sich nicht wirklich fest. „Ich höre vieles gern. Hauptsache, es ist interessante Musik. Pink Floyd und Led Zeppelin gehören zu meinen Lieblingsbands – aber auch Klassik-Komponisten wie Schubert oder Debussy finde ich phantastisch.“

Wie gut, dass Volodymyr Nekrasov diese Leidenschaft für unterschiedliche Musikstile bei Fantissima voll ausleben kann. Hier reicht die Bandbreite von leisen Tönen bei romantischen Balladen wie „Dream a little dream of me“ bis hin zu mitreißenden Beats von Liedern wie „Legendary“. Bei der Musikauswahl für die Dinnersets haben Volodymyr Nekrasov und seine Melody Makers weitgehend freie Hand. „Während die Gäste essen, können wir mit Jazz, Lounge oder Balladen eine romantische Atmosphäre zum Dinner schaffen.“ Eine perfekte Ergänzung zu der fulminanten Musik, mit der die sechsköpfige Band mal rockig, mal verträumt die großen Showacts auf der Bühne untermalt.

Noch zehn Minuten bis Showbeginn. Volodymyr Nekrasov und seine fünf Bandkollegen greifen zu ihren Instrumenten. Und stimmen sich auf einen Abend voller leiser Töne, rasanter Rhythmen und cooler Beats ein. Auf „My baby just cares for me“ freut sich Volodymyr Nekrasov jeden Abend am meisten. Weil er dann mit seinen Melody Makers den Band-Balkon verlässt und auf der großen Bühne steht. Begleitet von der samtigen Stimme von Sänger James Smith und umrahmt von vier Tänzerinnen in golden schimmernden Kleidern kann er hier direkten Kontakt zu den Gästen aufnehmen – in der Sprache der Musik.

Author

Rebecca Kranz