Hinter den Kulissen

„Wenn ich keine Gänsehaut bekomme, funktioniert es nicht“

Interview: Christina Herrmann

Ein Interview mit Manuela Löffelhardt

FantissimaShow

Manuela Löffelhardt ist der Bühne schon ihr Leben lang mit Leidenschaft verbunden: Erst selbst als Tänzerin auf den Brettern, die die Welt bedeuten, und nun schon seit vielen Jahren als künstlerische Leiterin der Phantasialand-Shows. Sie ist mit größter Kreativität und unbändigem Enthusiasmus das Herz und die Seele von Fantissima – und dabei immer ganz nah am Team.

Sie sind nun in Ihrer 12. Saison mit Fantissima. Wie würden Sie den Charakter der Show in diesem Jahr beschreiben?
Es ist ein richtiges Show-Erlebnis geworden und hat mit dem Varieté-Charakter, den Dinnershows für gewöhnlich haben, überhaupt nichts mehr zu tun. Mir war es vor allem wichtig, die einzelnen Showelemente noch mehr zusammenzufügen. Jetzt haben wir Gesang, Show und Tanz auf eine wunderbar spannende Art verbunden, auf die sich jeder Zuschauer freuen kann.

 Im letzten Jahr hat Fantissima mit einer außergewöhnlichen Neuerung überrascht: der großen LED-Wand im Bühnenhintergrund. Wie geht es dieses Jahr nach so einem künstlerischen Quantensprung weiter?
In der letzten Spielzeit war einiges neu, wir haben vieles erprobt. In diesem Jahr sieht das anders aus: Die Videowall gibt uns jetzt noch mehr Möglichkeiten, es ist ein ganz neues Arbeiten. Die Videos sind nicht mehr nur optisches Beiwerk zu den Showelementen, sondern wir erzählen Geschichten mit ihnen.

Gibt es ein vordergründiges Thema, eine Geschichte für die diesjährige Show?
Nein. Früher hatten wir Themen wie Swing-Rock’n’Roll oder Motown. Davon haben wir uns gelöst. In der neuen Spielzeit sieht der Zuschauer die einzelnen Showblöcke vielmehr als in sich abgeschlossene kleine Werke. Es geht los mit dem Thema Business, also das Arbeiten von „Nine to Five“ und wie man dem Arbeitsalltag entflieht – in eine Welt voller Emotionen und großer Gefühle. Im zweiten Showblock erleben wir dann Hingabe, Erinnerungen und Leidenschaft. Hier wird es sehr emotional, so viel kann ich schon mal verraten. Mut heißt unser dritter Showblock, hier geht es besonders um die Beziehung zwischen Mann und Frau und die Suche nach dem ganz persönlichen Helden. Richtig rockig und funkig bunt wird es dann, wenn wir den Zuschauern zeigen, wie wir das Thema Kraft interpretieren. Und zum Schluss wird’s dann mit einer Fashion-Show richtig glamourös!

Das klingt schon fast nach kleinen Erzählungen?
Ein bisschen schon, ja. Der Übergang zwischen den einzelnen Showblöcken darf niemals im Nichts enden. Da ist die besondere Herausforderung, das zu choreographieren. Der Zuschauer soll ja nicht aus seiner Faszination für die Show und Künstler herausgerissen werden, wenn die Bühne verändert werden muss. Und da sind wir wieder bei der Videowall: Denn durch den neuen Video-Content gelingt es uns dieses Jahr so gut wie nie zuvor, die einzelnen Elemente der Show zusammenzufügen. Der Zuschauer soll nie das Gefühl haben, dass ein Act zusammenhangslos auf den nächsten folgt.

Wovon lassen Sie sich inspirieren und kreativ beeinflussen?
Ich stelle mir beispielsweise einen orientalischen Teil vor, weil ich gerade einen schönen Sonnenuntergang gesehen habe. Oder ich habe im Wald gesehen, wie die Blätter fallen und denke mir, dass das gut in die Einleitung in unser Showelement „One Sweet Day“ passen könnte. Jetzt, wo ich genau weiß, wie ich den Video-Content einsetzen kann, habe ich die ganze Zeit Ideen, was sich dafür eignen würde und was ich dafür toll fände.

Es ist also auch nicht so, dass man mit den Liedern anfängt und den Rest darauf aufbaut?
Das kann auch mal total andersherum laufen. Die Musik ist ein Teil von vielen und das Ganze entwickelt sich. Dabei spielte auch der Umbau des Theaters eine sehr große Rolle für mich. Der fünfte Showblock zum Beispiel ist auf Basis dessen entstanden, wie das neue Theater aussieht. Das Theater und die Bühne sind zu einer Einheit geworden. Das hat mich sehr in meiner Arbeit beeinflusst.

Klingt, als würde die künstlerische Distanz zwischen Zuschauerraum und Bühne noch mehr aufgehoben.
Ganz genau so ist es, die Leute sitzen jetzt wirklich mittendrin. Das ganze Theater hat ein komplett neues Flair bekommen, und die Show wird sich dadurch neu präsentieren. Weil man anders sitzt, weil man anders fühlt. Man ist näher dran.

Wie gestaltet sich die Suche nach den Artisten?
Dadurch, dass wir schon sehr viele Jahre Shows machen, kennt man uns in der Artistenwelt. Wenn dann Künstler davon berichten, dass es ihnen bei uns gefällt: die Leute, die Atmosphäre, die Betreuung und dass man ihnen zuhört, dann wird das gerne weiterempfohlen – das ist mir wichtig. Ich bin ja gewissermaßen die Mutter der Nation meiner Künstler, denn nur wenn ich die Menschen kenne, kann ich sie richtig führen. Daneben habe ich auch noch drei Agenturen, die im asiatischen Raum, in den Ostblockstaaten und europäischen Raum für mich laufend auf der Suche nach tollen Künstlern und Artisten sind.

Bevor Sie die einzelnen Bestandteile miteinander verbinden können, steht sicherlich eine Menge kreativer Denkarbeit. Gibt es Elemente, vielleicht auch Lieder, die Sie schon immer mal einbinden wollten?
Die ganze Auswahl ist natürlich immer sehr persönlich. Wenn mir bei einem Lied oder einem Bild die Gänsehaut nicht aufsteigt, dann weiß ich, dass es nicht funktionieren wird. Ich muss bei allem etwas fühlen, nur so kann ich mich mit dem Ganzen identifizieren – und das ist extrem wichtig für mich. Genauso müssen dann auch die Sänger sich mit dem Lied identifizieren können, damit sie es gut performen können.

Gibt es für die Show eine Art unveränderliches Grundgerüst?
Ja, das gibt es in der Tat. Das hat aber mit den Gängen des Essens zu tun. Unser Küchendirektor Torsten Hoffmeister hat mir ganz klare zeitliche Vorgaben gemacht, wie lange die Showblöcke im Minimum sein sollten, damit das Essen gut zubereitet werden kann. Das ist eine Tatsache, die ich sehr schätze: Dass ich in der Küche und im Servicebereich Leute habe, mit denen ich schon viele Jahre zusammenarbeite. Wo eine Abstimmung extrem einfach ist, auch wenn es zu Änderungen kommt, die nicht auf dem Zettel stehen. Dann kommt direkt die Ansage „Wir brauchen noch zwei Minuten mehr“, so dass wir niemals Gefahr laufen müssen, dass die Suppe kalt wird oder das Dessert wegschmilzt. Das Team ist für mich ganz, ganz wichtig. Alle müssen miteinander funktionieren, denn sonst geht gar nichts.

Wie würden Sie die Show jemandem beschreiben, der sie noch nie gesehen hat?
Es ist die Möglichkeit, für vier Stunden der Realität mit seinen schönen und nicht so schönen Seiten und all den täglichen Problemchen des Lebens zu entfliehen. Mir geht das auch so. Es ist für mich schon eine besondere Welt, die einfach nur schön ist. Es sind vier Stunden, wo man sich relaxt hinsetzen, zugucken und einfach einen kleinen Ausflug vom Alltag genießen kann.

Wenn Sie selbst im Fantissima-Theater sitzen, sind Sie dann eher Zuschauer oder sehen Sie die Show auch mit einem prüfenden Auge?
Ich bin einfach gerne in der Show, gar keine Frage. Dann bin ich allerdings mehr Akteur als Zuschauer. Ich war jahrelang mit Herz und Seele Bühnenkünstlerin und wenn die Jungs und Mädels dann da oben sind und ich sitze davor, dann geben die mir so viel. Da bin ich dann wieder die Künstlerin von vor 20 Jahren und mittendrin im Geschehen. Das ist aber eigentlich bei jeder Show so, nicht nur bei Fantissima. Mein Beruf ist wirklich eine Berufung.

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