Die Kostüme von Fantissima sind handgefertigte Unikate

„Die Kostüme bei Fantissima sind in diesem Jahr kaum noch Mode oder Kleidung, das ist fast schon Kunst. Wir mussten manchmal richtig experimentieren, um diese komplizierten Stücke umzusetzen, so einzigartig sind die Designs,“ erzählt Mona Farrag, die Kostümbildnerin des Phantasialand, als sie uns die erstaunlichsten Stoffkreationen in der Kostümwerkstatt zeigt.

Die ausgebildete Schneiderin ist ein bedachter Mensch, ruhig und zurückhaltend. Bis man sie zu den Kostümen von Fantissima befragt. Dann blitzt eine Begeisterung in ihren Augen auf, die regelrecht ansteckt. Sie liebt ihren Beruf – und lebt ihn mit großer Leidenschaft mit allen seinen Chancen und Herausforderungen.

Modische Herausforderungen

Und Herausforderungen gab es in dieser Spielzeit besonders viele für Mona und ihr Team. Denn Fantissima ist Deutschlands erfolgreichste Dinnershow – und das nicht zuletzt dank der unvergleichlichen Kostüme. Seit 2008 entwirft Mona in enger Zusammenarbeit mit der künstlerischen Leiterin Manuela Löffelhardt die Kostüme für Fantissima und realisiert diese mit ihrem Team. Schon immer sind die Fantissima-Kostüme besondere Kreationen, in dieser Saison setzen die modischen Schöpfungen aber nochmal neue Maßstäbe.

Insbesondere das neue Finale der Show verlangte Mona und ihrem Team kreative und handwerkliche Höchstleistungen ab. Dafür erschufen sie für alle Tänzer, Sänger und Artisten Kostüme voller Prunk und Eleganz mit viktorianischen und neobarocken Einflüssen, die auf den dekadentesten Ballnächten herausstechen würden. Edelste Stoffe kamen dabei zum Einsatz genauso wie filigrane Drahtkonstruktionen, unechter Pelz, Federn, Leder, Netzstoffe, Stickereien, Perlen und Strass-Steine in unvorstellbarer Zahl. Eine wahre Materialschlacht in der Kostümwerkstatt. Aus allen diesen Einzelteilen nähten und klebten, schnitten und bogen die Kostümschneider regelrechte Meisterwerke – in aufwendiger Handarbeit!

Absolute Haute Couture

 „Alle Federn wurden von Hand eingenäht, die einzelnen Perlenfransen wurden an das Metall genäht, die Strass-Steine mussten einzeln befestigt werden. Wirklich jedes einzelne Detail ist Handarbeit,“ erzählt Mona und fügt mit leisem Stolz hinzu: „Das ist absolute Haute Couture.“

Jedes Kostüm ist ein unvergleichliches Unikat, das in reiner Handarbeit aus hochwertigsten Materialien gefertigt wurde – eben ganz so wie die vornehme Modewelt Haute Couture definiert. Und ganz wie man es von den großen Laufstegen kennt, gehören auch zur „Fantissima Haute Couture“ modische Konstruktionen, die überraschen. Zum Beispiel das ‚Opernhaus Sydney‘ wie Mona eine besonders auffällige Schulterkonstruktion nennt. „Diese Kostümskulptur erinnert nicht nur optisch an das berühmte ‚Schiffchendach‘“, berichtet Mona, „sie war auch ähnlich kompliziert herzustellen.“ Zur regelrechten Stoffarchitektin musste sie werden, um das Kostüm stabil und gleichzeitig als optischen Hingucker zu konstruieren. Viel Experimentierfreude und neue Ideen, große Geduld und Fingerspitzengefühl waren dabei gefordert genauso wie Ausdauer und Präzision, wenn es darum ging die störrischen und empfindlichen Stoffkonstruktionen zu bändigen – beim ‚Opernhaus‘ und bei allen anderen Kostümen.

Schon die 27 Kostüme für das neue Finale waren ein Projekt, das selbst große Modelabel herausgefordert hätte. Doch für Fantissima 2017/18 mussten Mona und ihr dreiköpfiges Team nicht nur diese eine neue Kollektion erschaffen, auch die vorherigen vier Showblöcke wurden neu ausgestattet – und zwar mit jeweils einer eigenen „modischen Sprache“, die sich weit von dem abhebt, was man bei einer Dinnershow erwarten würde. Allein die futuristischen Androiden-Kostüme im dritten Showblock bringen einen Look und Showcharakter auf die Bühne, der Aufsehen erregt.

Tief in die Trickkiste

Immer im Hinterkopf dabei: Die Beweglichkeit des Künstlers in seinem Kostüm. Denn die Modeschöpfungen von Fantissima müssen den anspruchsvollen Choreografien der JB Dance Company an mehr als 200 Showabenden im Jahr standhalten und dürfen die Tänzer nicht einschränken. Tief in die Trickkiste musste die Kostümbildnerin greifen, um Optik und Funktionalität zu vereinen, und ließ sich sogar von der Insektenwelt inspirieren, als es darum ging ein metallisch aussehendes, aber gleichzeitig flexibles Wirbelsäulenkonstrukt zu erschaffen, dass die Oberkörper der JB Dance Company während der dynamischsten Choreografie des Abends schmückt.

Das alles umzusetzen erforderte nicht nur großes Können und eine besondere künstlerische Vision, sondern vor allem eins: Enormen Einsatz und absolute Hingabe. „Das waren Hunderte von Arbeitsstunden mit zerstochenen Fingern, weil wir alles in Handarbeit gemacht haben“, erzählt Mona. „Aber die künstlerischen Möglichkeiten, die Fantissima uns gibt, sind so einzigartig, dass das Erschaffen der Kostüme ein richtiges Geschenk für mich ist. Das macht unglaublich viel Spaß.“

Ein Traum wird wahr

Und diese Freude an der Schöpfung besonderer Kostümkreationen spürt man auch im Fantissima-Theater. Insbesondere im Finale der Show sind es die Kostüme mit ihren unzähligen liebevollen Details, die den Künstlern einen ganz eigenen Charakter geben. Und wenn dann dieser mit so viel Leidenschaft erschaffene Look mit den großartigen Choreographien und Artistik-Acts und dem eindrucksvollen Video-Content zu einer ganz eigenen Welt verschmilzt, wird die Faszination von Deutschlands erfolgreichster Dinnershow besonders gut spürbar – auch für Mona Farrag: „Bei Fantissima ist für mich ein Traum in Erfüllung gegangen. Ich wollte schon immer Musikvideos ausstatten und mit der großartigen LED-Kulisse ist jede Nummer von Fantissima heute fast wie ein kleiner Videoclip. Mit den Geschichten und der digitalen Kulisse kann man jedes Kostüm ganz besonders inszenieren. Unsere Vision ist die perfekte Symbiose aller Elemente: Musik, Choreografie, Kostüme, Videos. Und ich glaube, diese Vision haben wir erfüllt“, schwärmt sie. „Ich würde mir wünschen, dass die Zuschauer auch völlig in diese Magie von Fantissima eintauchen können. Dass jedes Kostüm unvergesslich bleibt – wie alle anderen Elemente auch. Und, dass sie die Mühe, die Leidenschaft und das Herzblut, die wir in unsere Arbeit stecken, sehen und spüren, dass hier Menschen zusammenarbeiten, die das Projekt Fantissima wirklich lieben.“

Author

Christina Herrmann