Hinter den Kulissen

Verhüllt wie Christo

Text: Christian Buhl
Fotos: Peter Blum

Eine Achterbahn wird eingepackt

Neue Themenwelt Klugheim

Ob Christo schon einen Blick durch die Gucklöcher auf die neue Themenwelt Klugheim geworfen hat? Ganz unwahrscheinlich ist das jedenfalls nicht. Vielleicht wurde ihm in Künstlerkreisen sogar dazu geraten, wo er doch so ein Liebhaber von Verhüllungen der besonderen Art ist – 1995 hat er gleich den ganzen Reichstag unter einer riesigen Decke verschwinden lassen. An dem eingepackten Schienenlabyrinth von Taron hätte sich der Meister der Verhüllungen deshalb wohl gar nicht satt sehen können. Und vielleicht hätte er sich dann gedacht: „Diese verrückten Deutschen. Warum ist mir das nicht eingefallen!“

Nun, da waren die Kollegen wohl schneller. Die haben vielleicht nicht den Blick für die besondere Ästhetik einer eingepackten Achterbahnschiene, dafür viel Ahnung davon, wie man sie am besten vor Beschädigungen schützt. Bei den aufwendigen Thematisierungsarbeiten kommt  nämlich eine Menge Beton und Farbe zum Einsatz, da könnte es schnell passieren, dass etwas auf die empfindlichen Laufflächen fällt und sie beschädigt. Um wirklich jeden Zentimeter des neuen Multi-Launch-Coasters zu schützen, braucht es deshalb entsprechend viel Folie – sogar sehr viel Folie, sehr sehr viel Folie: nämlich bisher etwa 30 Kilometer!

Mit denen hätte sich Christo richtig austoben können. Aber auch die Kollegen erweisen sich als wahre Verpackungs-Spezialisten. Sie lassen sich per Seil von einem Kran herab und kleben die Folie mit Klebestreifen an den Stahlschienen der Bahn fest – Meter für Meter. Schwer zugängliche Stellen packen sie vor der Montage ein. Aber nicht nur die Schienen werden wie ein rohes Ei behandelt: Taron wird mit sehr teurer und sensibler Technik ausgestattet sein, die während der Bauarbeiten natürlich auch entsprechend geschützt werden muss. Deshalb reicht die Plastikfolie an einigen Stellen nicht mehr aus. Um die empfindlichen Statoren, Motoren und Bremsschwerter werden bis zur Fertigstellung deswegen zusätzlich Holzkisten gebaut.

Die verpackten Achterbahnschienen haben sich schon in der Welt herumgesprochen. In amerikanischen Foren diskutieren die Fans, was es damit wohl auf sich hat. Die „crazy germans“ seien mal wieder besonders genau, wenn es um Achterbahnen geht, heißt es da. Einige vermuten ein Versteckspiel dahinter, andere glauben „it’s so sexy, it has to be protected“ und manche bieten sich gleich an, um Taron dann irgendwann mal auszupacken, wenn es soweit ist: „I will gladly take the job of unwrapping the coaster when construction is done. It would be like the best christmas present ever.“

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