Hinter den Kulissen

Tiempo de Fuego

Text: Timo Hertel

Technische Präzision für ein einzigartiges Showerlebnis aus Licht und Feuer

ShowWintertraum

Wenn auf massivem Gestein Eis und Feuer ihre Kräfte entfalten, wenn auf rauen Fassaden farbenfrohe Blüten wachsen und die Zuschauer auf der Plaza Mariachi in den Wandel der Jahreszeiten eintauchen, dann zeigt die kraftvolle Wintershow „Tiempo de Fuego“ ihre strahlende Wirkung. Dann verschmelzen Licht, Flammen und Musik zu einer perfekten Illusion. Doch bis die phantasievolle Show ihre magische Stimmung verbreitet, benötigt es technisches Feingefühl auf höchstem Niveau.

Aufwendiges 3D-Mapping

Am Anfang dieser Entwicklung steht die genaue Vermessung der zerklüfteten Felsenlandschaft von Chiapas, das 3D-Mapping. „Das Schwierigste ist, die unebene Fläche in eine bespielbare Leinwand zu verwandeln. Im Gegensatz zur Kinoleinwand ist hier kaum etwas gerade, alles sehr verwinkelt und detailreich gestaltet“, sagt Markus Fuchs, Projektleiter der Lichttechnik des Phantasialand. Ein präziser Laserscanner erfasst deshalb jeden noch so kleinen Bestandteil des 1200 qm großen Bereichs in der Themenwelt Mexico: die winzigen Kerben im Gestein, die verwitterten Fensterläden der Hausfassade, die glänzenden Glocken des Turms und die flüchtigen Tropfen der Wasserfälle. Aus den gewonnenen Daten erstellt eine spezielle Software dann ein exaktes, digitales Modell.

Anhand dieses Modells werden die Videoinhalte erarbeitet, die später auf der charakteristischen Leinwand zu sehen sein werden. Deren kreative Gestaltung erfolgt in enger Absprache mit der eigens dafür beauftragten Produktionsfirma. „Hier muss jeder Schritt ineinandergreifen und abgestimmt werden“, so Markus Fuchs. Denn während die Idee, vom Wandel der Jahreszeiten zu erzählen, bereits im Vorfeld bestand, werden die eindrucksvollen Inhalte der Videos parallel zum Modellierungsprozess entwickelt.

Nur im gemeinschaftlichen Austausch wird aus dem ersten Konzept ein erfolgreiches Showereignis. Und so erzählt „Tiempo de Fuego“ außergewöhnlich und dynamisch die Geschichte der Jahreszeiten: Der Zuschauer sieht den glitzernden Schnee sanft vom winterlichen Himmel fallen, beobachtet die wilde Tierwelt des Dschungels auf ihren Wegen durch den blühenden Frühling, erblickt den Schein der farbenfrohen Lampions zum mexikanischen Sommerfest und will beinahe nach den verwehenden Herbstblättern greifen.

Hochleistungs-Projektoren

Damit die bildgewaltigen Videos mit viel Liebe zum Detail die Felsen von Chiapas zum Leben erwecken, kommen 16 Hochleistungs-Projektoren zum Einsatz. Diese übertragen den eindrucksvollen Wechsel von Frühling, Sommer, Herbst und Winter maßgeschneidert auf die Gesteinsfront. Um dieses einzigartige Erlebnis optisch so faszinierend wie bei „Tiempo de Fuego“ umzusetzen, ist deren Standort ganz genau definiert: Sie befinden sich in fünf extra angefertigten Konstruktionen auf dem Dach der Arena de Fiesta. „Das ist alles statisch berechnet und vor Blitzeinschlägen geschützt“, erläutert Markus Fuchs, „und gerade in der kalten Jahreszeit können Schnee und Eis den Projektoren schon mal zusetzen.“ Deshalb sorgen digitale Thermostate in den Schränken für die optimale Umgebungstemperatur des kostbaren Inhalts.

Damit die einzelnen Videos in ihrer Gesamtheit eine nahtlose Abbildung ergeben, sind die Projektorlinsen millimetergenau positioniert. Bereits jede minimale Erschütterung kann die Ausrichtung und Schärfe der hochsensiblen Linsen beeinflussen und dadurch auch das außergewöhnlich Lichterlebnis. Damit „Tiempo de Fuego“ also immer wieder in einzigartiger Gestalt die mexikanische Welt in ein buntes Farbenspiel taucht, wird die gesamte Technik Abend für Abend überprüft und nachjustiert. Nur so ist sichergestellt, dass die fesselnde Illusion bei jeder Aufführung perfekt passt und die reale Felsformation hinter den fiktiven Bildern unbemerkt verschwindet: Dann legt sich Schnee auf echte Fenster und Felsen, und der Blick des Zuschauers folgt dem Lauf der projizierten Sonne über die gesamte Breite von Chiapas‘ rauer Oberfläche. Dann streift ein Leopard grazil durch den dichten Dschungel, wo eigentlich der Glockenturm steht, und ein Vogelschwarm scheint in den realen Himmel zu entschwinden.

Zum feurigen Finale von „Tiempo de Fuego“ erheben sich dann tatsächlich Flammen über die Welt der Illusion. Dabei wird den Zuschauern zur Winterzeit durch 18 Feuerfontänen spürbar wärmer. Die beweglichen Systeme lassen die Flammen spektakulär durch die Lüfte gleiten und erhellen bis zu einer stattlichen Höhe von 12 Metern den mexikanischen Himmel. Eine Besonderheit an dieser „hitzigen Installation“ ist für Markus Fuchs der Standort: „Die meisten Flammensysteme samt Verkabelung befinden sich mitten in den tosenden Strömen von Chiapas und müssen bei laufendem Betrieb der Wasserbahn absolut wasserdicht sein.“ Für deren Installation musste das gesamte Becken trockengelegt werden und 500 Meter Signalleitung einziehen, die für das computergesteuerte Timing der kraftvollen Flammen sorgen. So vereint sich das leidenschaftliche Feuer mit der dynamischen Musik zu einem energiegeladenen Tanz.

Sekundengenau auf die Musik abgestimmt

„Die Programmierung muss bis auf den Bruchteil einer Sekunde stimmen“, erläutert Markus Fuchs die Präzision in der Abstimmung der einzelnen Showelemente. Denn neben dem Feuer müssen auch die Lichtprojektionen völlig synchron zur Musik abgestimmt sein. Diese ist eigens für die Show komponiert und bildet mit den eindringlichen Soundeffekten die ideale akustische Ebene zum visuellen Erlebnis. Während bei der festlichen Wintermelodie zarte Glöckchen erklingen und sich mit dem Knirschen im mächtigen Eis mischen, begrüßen freudige Trommeln und Vogelgezwitscher die prachtvolle, grünende Natur. Während die rhythmischen Klänge der Maracas und Gitarren erschallen und die ausgelassenen Freudenrufe der Mariachi zum sommerlichen Tanz einladen, kündigt die leichte Zurücknahme einer betörenden Melodie den heraufziehenden Herbstwind an.

Und wenn dann im präzise ausgefeilten Zusammenspiel aus Licht, Feuer und Musik die Grenzen zwischen realem Hintergrund und fiktiver Projektion verschmelzen, wird aus dem technisch hochentwickelter Prozess „Tiempo de Fuego“ ein berauschendes Erlebnis für Augen, Ohren und Seele. Dann tauchen die Zuschauer mit allen Sinnen ein in den lebendigen Wandel der Jahreszeiten auf der rauen Felswand von Chiapas. Für Markus Fuchs sprechen die Reaktionen der Gäste für sich: „Wenn man die stauenden Zuschauer miterlebt, ist das immer wieder beeindruckend. Jedes Aaahh und Ooohh beweist uns, dass die aufwendigen technischen und künstlerischen Vorbereitungen ihre Arbeit absolut wert sind.“

ShowWintertraum
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