Black Mamba fährt Rock’n’Roll

Text: Frank Benda
Fotos: Peter Blum | Pascal Tischler

So viel Technik muss sein

Hinter den Kulissen

Action und Adrenalin von der ersten bis zur letzten Sekunde, eng verschlungen in einer weltweit einmaligen Themenwelt – das war die Vorgabe des Phantasialands beim Bau der Black Mamba. Schon beim Betreten des Themenbereiches „Deep in Africa“ lässt sich erahnen, woher die Black Mamba ihren Namen hat. Wie eine Schlange windet sich das schwarze Schienengewirr durch die Schluchten hindurch. Immer wieder verschwindet der Zug im Dickicht oder in einer Höhle, um völlig überraschend an einer gänzlich anderen Stelle wieder aufzutauchen. Schnell wie eine Black Mamba schlängelt sich die Bahn auf eine weltweit einzigartige Art und Weise durch den gesamten Themenbereich und bildet so das zentrale Element von „Deep in Africa“. Auf einer für eine einzelne Attraktion außergewöhnlich großen Fläche mussten 60.000 Kubikmeter Erde bewegt werden, um die Züge im Schienenlabyrinth über Wasserfälle und Schluchten hinweg, durch dunkle Höhlen hindurch und an schroffen Felswänden vorbei rauschen zu lassen.

Die Schluchten und Abgründe unter der Erdoberfläche sind vom Volumen so riesig, dass sogar Hotel Ling Bao ohne Probleme hineinpassen würde.

Doch neben diesem außergewöhnlichen Schienenlabyrinth in einer beeindruckenden Landschaft fällt noch etwas anderes ins Auge: Der Zug sitzt nicht auf, sondern hängt unter der Fahrstrecke. Die Black Mamba ist ein sogenannter Inverted Coaster. Bei diesem Achterbahntyp befinden sich die Züge nicht wie bei normalen Achterbahnen auf, sondern unterhalb der Schiene die Strecke entlang gleiten. Somit hängen die Beine der Gäste im Freien, woraus sich ein gänzlich neues Fahrgefühl ergibt.

Wer eine wilde Fahrt auf der Black Mamba wagt, beginnt seine Reise in der Höhle, in welcher sich die Station befindet. Unter peitschenden Trommelrhythmen geht es dann aus der Stationshöhle hinaus auf den Lifthill. Mit Hilfe eines Kettenliftes wird der Zug unter dem achterbahntypischen „Klackern“ nach oben gezogen. Das Geräusch entsteht dabei nicht durch das Heraufziehen an sich, sondern weil ein Haken über eine sägezahnartige Zusatzschiene läuft, die verhindert, dass der Zug bei Störungen rückwärts in die Station zurück rollt. 

Unaufhaltsam erklimmt der Zug den Hügel, bis schließlich die ersten Wagenreihen über die Kuppe kippen und langsam aber sicher den restlichen Zug mit in den Pre-Drop ziehen. Diese kurze Abfahrt vor dem eigentlichen First Drop hat einen durchaus wichtigen Effekt. Der Zug wird so dank Schwerkraft beim Überschreiten der Kuppe sanfter aus der Liftkette gezogen.

Es gibt dabei zwei gute Gründe, warum der Zug mit dem Kettenlift auf eine solche Höhe gezogen wird. Zum einen schafft er es so, die gesamte Strecke bis zur Schlussbremse ohne weitere Hilfsmittel oder Antriebstechniken allein Dank der Lageenergie zu durchfahren. Zum anderen löst eine solche Abfahrt bei den Besuchern natürlich auch das berühmte „Kribbeln im Bauch“ aus und lässt das Adrenalin durch den Körper schießen.

Damit die Fahrt nach der ersten Abfahrt auf gleichbleibend intensivem Niveau bleibt, hat das Phantasialand in Zusammenarbeit mit dem Hersteller für die Black Mamba eine ganze Reihe weiterer, aufregender Fahrfiguren und atemberaubender Effekte umgesetzt. So rauscht der Zug direkt nach dem intensiven First Drop durch einen Vertikallooping. Durch diesen kann man nach der Fahrt auf einer Brücke sogar hindurchlaufen. Insgesamt 4 Überschläge gilt es auf der Black Mamba zu bewältigen. Nach der ersten Inversion bleibt also kaum Zeit zum Durchatmen, denn direkt im Anschluss geht die abenteuerliche Fahrt durch eine Zero-g-Roll. Den Namen verdankt dieses Überkopfelement der Tatsache, dass die Fahrgäste hier quasi schwerelos im Sitz schweben. Das Fahrelement Zero-g-Roll gleicht einer Wurfparabel, bei der man sich am höchsten Punkt um 360° um die Herzlinie dreht.

Die Black Mamba macht ihrem Namen alle Ehre und schlängelt sich immer weiter durch die Landschaft. Ein völlig einzigartiger Nervenkitzel ergibt sich dabei auch durch die unglaublich enge Streckenführung durch warme, helle Schluchten und kalte, dunkle Höhlen hindurch. Neben diesen Temperaturwechseln verändert sich auch stets das Gefühl für die Geschwindigkeit, da schmale Tunneldurchfahrten den Blickwinkel verengen. Und immer wieder sorgen Fahrelemente wie Horseshoes (eine hufeisenförmige Kurve) für schnelle Richtungswechsel und somit für kurzfristigen Orientierungsverlust. Die Kurvenradien der Black Mamba zählen zu den engsten, die jemals in einer Achterbahn vom Unternehmen Bolliger & Mabillard gebaut wurden. An den engsten Stellen rasen die Züge samt frei baumelnder Beine der Fahrgäste nur knapp 50cm an Schluchten und Wasserfällen vorbei. So knapp das auch erscheinen mag, eine tatsächliche Berührung ist natürlich aufgrund des Lichtraumprofils gänzlich unmöglich.

 

Und trotz all dieser atemberaubenden Fahrelemente gleitet der Zug unglaublich sanft über die Strecke. Denn um eine außergewöhnliche Qualität in allen Bereichen zu erreichen, hat sich das Phantasialand dazu entschieden, das Projekt „Black Mamba“ mit dem Unternehmen Bolliger & Mabillard, dem „Rolls-Royce“ unter den Achterbahnherstellern, zu verwirklichen. Wie eben ein solcher Rolls-Royce zeichnet sich die Black Mamba durch eine unglaublich sanfte Laufruhe aus und besticht dennoch durch ein extrem kraftvolles, intensives Fahrerlebnis voller Nervenkitzel. Im gesamten Verlauf der Strecke wirken immer wieder enorme positive und negative g-Kräfte von bis zu 4,5 G auf die Fahrgäste. Fährt der Zug z.B. die erste Abfahrt hinunter, so wirkt im Tal die positive G-Kraft und drückt die Besucher in den Sitz hinein. Bei 4,5 G wäre eine Person mit 70 kg Körpergewicht hier also 315 kg schwer. Anders verhält es sich bei der negativen g-Kraft: Fährt der Zug über eine Kuppe oder durch die Zero-G-Roll, so wirken hier negative Kräfte, die den Fahrgast quasi aus dem Sitz heben. Dies ist der Grund, warum man sich an manchen Stellen in der Achterbahn schwerelos fühlt.

Die Black Mamba stellt also tatsächlich eine große Herausforderung für Jung und Alt dar. Die intensive Aneinanderreihung von Überkopfelementen und eng umschlungenen Kurven können einem schon hier und da die Orientierung rauben. Bei der ersten Fahrt ist es quasi unmöglich, all die liebevollen Details und die imposante Landschaft in voller Gänze zu erfassen. So bleibt die Black Mamba auch nach vielen Wiederholungsfahrten eine aufregende, weltweit einzigartige Achterbahn mit einem unvergesslichen Gesamterlebnis.

Deep in AfricaTechnik
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