Hinter den Kulissen

Taron – eine Maßanfertigung

Text: Christina Herrmann
Bilder: Robert Fülling

Neue Themenwelt Klugheim

Wenn es um die Neuentwicklungen von Attraktionen geht, ist uns eines besonders wichtig: absoluten Fahrspaß und eine außergewöhnliche Thematisierung zu einem einzigartigen Gesamterlebnis zu verbinden.

„Wir wollen unseren Gästen den größtmöglichen Komfort und das beste Erlebnis bieten“, betont Sebastian Jonas, Projektentwickler und Qualitätsmanager des Phantasialand. „Dafür erschaffen wir ganze Themenwelten mit darin eingebetteten Attraktionen und bauen nicht nur Attraktionen mit ein wenig Thematisierung.“

Das gelingt nur, wenn wir uns im Phantasialand vorab mit jedem Detail intensiv auseinandersetzen.

„Wir erarbeiten im Laufe neuer Projekte ganz genaue Vorgaben, die wir an die Hersteller weiter-geben. Das betrifft dann jeden einzelnen Aspekt unseres Vorhabens, wie etwa die Kapazitäten der Bahn, die Optik der Schienen und auch die Fahrfiguren des Streckenlayouts“, beschreibt Sebastian Jonas diese Herangehensweise.

Wie bei allen unseren Projekten hatten wir daher bei Taron bereits in der frühesten Entwicklungsphase eine ganz genaue Vorstellung davon, was die Achterbahn können muss: Streckenlänge, Schienen, Zugdesign, thematische Einbettung und vor allem der Fahrspaß – alles das haben wir bis ins kleinste Detail ausgearbeitet, um ein Gesamterlebnis zu schaffen, das es so auf dieser Welt kein zweites Mal gibt. Außergewöhnlich in wirklich allen Elementen, von A wie Antrieb bis Z wie Zug.

Eine wesentliche Grundlage für den absoluten Fahrspaß bildet dabei die Streckengestaltung. Für Taron haben wir daher von Beginn an eine ganz entscheidende Anforderung gestellt: Die Bahn muss eine spürbare Dramaturgie haben. Wir wollten mit einem ganz eigenen Spannungsbogen ein Fahrerlebnis schaffen, das sich voller Dynamik bis zum Finale permanent steigert. Dazu legten wir die Fahrelemente der Strecke wie S-Kurven, Airtime-Hills und Overbanked Turns ebenso fest wie spezielle Richtungswechsel und Geschwindigkeitsänderungen. Denn Taron soll auf seinem Weg durch die Felsenlandschaft Klugheims einen Spaßfaktor bieten, der bis zum Schluss immer noch eine Überraschung parat hält.

Genauso wichtig war uns auch der Auftakt: Von der ersten Sekunde an soll Taron Spaß bringen! Ein sehr starker Abschuss lag uns daher besonders am Herzen. Taron brauchte dafür einen Antrieb, der für die beiden Katapult-Starts erstklassig ausgestattet ist. Dass hierfür nur die modernste und leistungsstärkste Technologie zum Einsatz kommen durfte, war daher elementar für die Verwirklichung unserer Ziele. Kraftvoll sollte Taron werden, intensiv wie kein anderer Multi-Launch-Coaster und enorm schnell.

Gleiches galt auch für die Schienen. Um unseren Anforderungen nach einem besonders filigranen „Schienenfachwerk“ zu entsprechen, konnte bei Taron für uns nur eine ganz spezielle Schiene verwendet werden: Eine 3-Gurt-Schiene. Nur deren feingliedrige Ästhetik konnte unsere visuellen Erwartungen erfüllen. Zudem zeigte sich, dass eine Fertigung nach neuer Eurocode 3-Norm das Schienenfachwerk noch weiter ausdünnen und optisch deutlich aufwerten konnte. Dass ein solches Schienenprofil damit erstmals bei uns zum Einsatz kam, war daher ein klarer Faktor, um eine so harmonische Eingliederung der Achterbahn in die Themenwelt Klugheims zu garantieren, wie wir sie erreichen wollten.

Denn auch das stand von Anfang an für uns fest: Tarons Einzigartigkeit entsteht vor allem durch die scheinbar mühelose thematische Einbettung der Achterbahn in ihre kraftvolle Umgebung. Alle Details optisch perfekt aufeinander abstimmen zu können, war daher für uns von größter Bedeutung. Und zwar wirklich alle Details, sogar die Stützen der Bahn. Selbst diese durften nicht einfach ein eckiges „Standardmodell“ sein, sondern mussten rund werden, um sich ebenso ästhetisch ins Gesamtbild einfügen zu können.

Diesem Credo musste dann natürlich auch der Zug entsprechen. Als ein elementarer Bestandteil der Fahrt mit Taron müssen sich Fahrspaß, Komfort und Design in ihm einwandfrei vereinen. Daher hatten wir auch hier exakte Vorstellungen zu allen Einzelheiten – von der Sitzposition über die Bügel bis hin zu den Materialien – aus denen ein komplett neuer Zug in Einklang mit der Themenwelt maßgeschneidert werden musste. Lesen Sie hier mehr zur Neuentwicklung des Zuges.

Das war dann auch das Stichwort, das für die Realisierung von Taron und damit für die Wahl unserer Partner auf dieser spannenden Reise entscheidend war: Maßgeschneidert. Denn um letztlich genau die Achterbahn zu erschaffen, die wir bis ins allerkleinste Detail so individuell entworfen hatten, brauchten wir einen Hersteller an unserer Seite, der sich mit ebenso viel Leidenschaft und Begeisterung wie wir den Herausforderungen unserer speziellen Vorgaben stellen wollte und unsere innovativen Pläne Wirklichkeit werden lassen konnte.

Diesen Partner fanden wir in der Liechtensteiner Firma Intamin. Mit ihrem speziellen Antrieb konnten sie einen Katapult-Start gewährleisten, der Taron zum Multi-Launch-Coaster mit dem intensivsten LSM-Abschuss weltweit machen würde. Daneben waren sie mit großer Offenheit und einem immensen Know-How bereit, jede Idee nach unseren Ansprüchen umzusetzen. Das hieß auch, dass sie uns ermöglichten, gemeinsam einen vollständig neuen Zug – den „Phantasialand-Zug“ – zu entwickeln. Diese Bereitschaft war für uns ein entscheidendes Kriterium bei der Auswahl des Partners und die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit.

Intamin nahm sich alle unsere Anforderungen bis ins letzte Detail vor, von der essentiellen Streckendramaturgie bis hin zur garantierten Wintertauglichkeit. Denn damit Taron auch bei knackigen Minusgraden noch einwandfrei funktionieren kann, musste eine Fahrfähigkeit bis mindestens -10°C Außentemperatur unbedingt erfüllt werden – statt der bei Attraktionen sonst üblichen Plustemperaturen von milden 8°C. Eine sehr große Differenz, für Intamin jedoch problemlos umsetzbar.Mit viel Einsatz und großer Fertigkeit ließen sie Taron so entstehen wie wir es uns vorgestellt hatten. Ihr verschlungenes und wahrlich außerordentliches Streckenlayout mit all unseren Figuren und Vorgaben ist in unseren Augen auf dem vorhandenen Raum eine echte Meisterleistung. Sagenhafte 116 Mal haben sie die Schienen sich kreuzen lassen – ein Weltrekord in sich – und dabei dicht an dicht mit den mächtigen Felsen eine einzigartige Achterbahn erschaffen, die vollständig in der Thematisierung aufgeht.
Dabei stellte gerade die Positionierung mitten in Klugheim die Achterbahnexperten ein ums andere Mal vor neue Herausforderungen. Die spezielle Raumsituation, die völlige Integration in die Themenwelt und unsere spezifischen Anforderungen an Strecke und Fahrspaß verlangten immer wieder neue Ideen und kreative Lösungsansätze. Nicht ganz einfach, aber dafür umso attraktiver: Taron war niemals bloß ein Alltagsprojekt „von der Stange“, sondern forderte viel Geschick und Innovationsgeist von allen Beteiligten.

Eine echte Maßanfertigung eben.

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