Hinter den Kulissen

Projekt: Tarons Zug

Text: Christina Herrmann

Neue Themenwelt Klugheim

 

Wenn Taron kraftvoll durch die Felsenlandschaft Klugheims rauscht, wird man das große Abenteuer, das lange zuvor stattfand, kaum noch erahnen können. Denn zwischen den ersten Wünschen und Gedanken und der tatsächlichen Entstehung des fertigen Zuges lag ein Weg voller Herausforderungen und Überraschungen, der sich über volle 2 Jahre erstreckte.

Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt war dabei eine Kombination aus Erfahrung, Know-how, Offenheit und aufmerksamen Teamwork. Denn damit im Zug Komfort, Design, thematische Einbettung und natürlich der ganz große Fahrspaß zu einer Einheit verschmelzen konnten, mussten in der Entwicklung alle diese Faktoren optimal ineinandergreifen.

Für Taron hatten wir einen innovativen Partner gefunden, der genau diese Qualitäten in das Projekt einbringen konnte: Intamin. Mit ihrem eigens entwickelten LSM-Antrieb waren die Liechtensteiner der perfekte Hersteller für unseren Multi-Launch-Coaster und wurden auch in der Neuentwicklung des Zuges ein optimaler Sparringspartner. Den Zug, den wir uns vorstellten, gab es nämlich noch nicht. Und so brauchten wir ein starkes Gegenüber, das uns mit technischem Wissen und großer Offenheit beim Abenteuer des maßgeschneiderten Zuges unterstützte. Diese Bereitschaft, sich völlig auf die Herausforderungen unserer Vision einzulassen, war dann auch eine entscheidende Voraussetzung, um Intamin als unseren Partner für Taron auswählen zu können.
Für uns stand dabei immer der Gast im Vordergrund – wie konnte ein möglichst komfortables Fahrerlebnis geschaffen werden, das von der ersten Sekunde an Fahrspaß pur bringt. Für Intamin lag die Hauptaufgabe vielmehr in der technischen Realisierung dieses Fahrerlebnisses – wie konnten die Wünsche des Phantasialand optimal umgesetzt werden. Zwei nicht immer einvernehmliche Perspektiven, die nur Hand in Hand zum Erfolg führen konnten. Und genau das taten wir: Gemeinsam begaben wir uns auf die spannende Reise, den perfekten Zug für Taron komplett neu zu entwickeln!

 

Wir wollten einen Zug mit allen Eigenschaften, die für das Erlebnis Taron wichtig sind. Eine Alternative kam nicht in Frage

Sebastian Jonas, Projektentwickler und Qualitätsmanager des Phantasialand

Ein Fahrgefühl so frei und unbeschwert wie nur möglich war dabei unser erklärtes Ziel. „Wir wollten einen Zug mit allen Eigenschaften, die für das Erlebnis Taron wichtig sind. Eine Alternative kam nicht in Frage“ betont Sebastian Jonas, Projektentwickler und Qualitätsmanager des Phantasialand. „Der Zug musste perfekt zur Bahn passen.“ Denn während das Streckenlayout mit seinen Figuren und Richtungswechseln zusammen mit der Qualität der Schiene die Grundlage für den Fahrspaß bildet, ist der Zug gewissermaßen die Brücke zum Fahrgast. Seine Machart unterstreicht das in der Strecke dramaturgisch angelegte Fahrerlebnis – und kann dieses im besten Fall noch spürbar steigern. Genau das wollten wir mit unserem Zug bei Taron erreichen. Durch eine sehr offene Gestaltung soll in ihm ein ganz besonders freies, regelrecht entfesseltes Fahrgefühl erzeugt werden – der gewisse Extrakick auf der rasanten Fahrt durch Klugheim!

Ein enorm wichtiger Faktor war dafür die richtige Sitzhöhe. Nur eine erhöhte Sitzposition, in der die Füße den Boden nicht berühren, konnte genau das Gefühl des losgelösten Fahrens ermöglichen, das uns am Herzen lag.
Genauso die Bügel: Hier durften keinesfalls die häufig verwendeten, einengenden Schulterbügel zum Einsatz kommen. Bei maximaler Sicherheit und größtmöglichem Komfort sollte der aufregende Adrenalinschub des Fahrens ohne starre Fixierung das Erlebnis auf Taron noch verstärken.
Unterstützt werden sollte dieses freie Sitzerlebnis zudem durch eine weiter auseinander liegende Positionierung der Sitze als üblich. Denn die besondere Bewegungsfreiheit sollte für den Fahrgast auf allen Seiten angenehm zu spüren sein.

Damit das Fahrerlebnis für unsere Gäste auch vor und nach der Fahrt möglichst komfortabel werden konnte, war außerdem ein durchgängiger Boden im Fahrzeug unser expliziter Wunsch. Denn erst ein schneller, müheloser Fahrtgastwechsel und eine ebenso reibungslose Abfertigungszeit konnten eine bestmögliche Kapazitätsauslastung in unserem Sinne garantieren.

Auch das weitere „Wahrnehmen“ des Zuges – vom tatsächlichen Anfassen bis zum allgemeinen Aussehen – sollte für den Gast eine möglichst angenehme Erfahrung werden. Es durften daher nur Materialien verwendet werden, die im tagtäglichen Gebrauch bestehen konnten. Wie etwa Edelstahl für die Griffe: auch bei ausdauernder Nutzung noch schön anzusehen und in der Hand immer ein gutes Gefühl.

Kurz gesagt: Sitzposition, Sitzform, Kopfstützen, Polster, Bügel, Haltegriffe, Design, Lackierung, Farben, Materialien – alles legten wir fest und warfen es gewissermaßen in den Ring des Entwicklungsprozesses. Als Grundlage für ein eifriges Sparring bei dem großen Projekt Tarons Zug . Denn auch in der technischen Entwicklung begleiteten wir die Ingenieure von Intamin bis zur letzten Runde – mal als enthusiastischer Ideengeber, mal als gründlicher „Fahrgast“. In zahlreichen Sitzproben testeten wir die Bequemlichkeit des Sitzes, die angenehmste Position der Haltegriffe, die beste Sitzhöhe und begutachteten das Fahrzeug in jedem Detail. Stück für Stück wurde der Zug so von den Technikern und Designern von Intamin erarbeitet und von uns geprüft. Jedes Element musste dem entsprechen, was wir für unsere Gäste erreichen wollten. Selbst den letzten Zentimeter haben wir mit Intamin leidenschaftlich ausdiskutiert und noch an den kleinsten „Schräubchen“ gedreht, bis das Ergebnis für alle Beteiligten stimmte. „Da konnte es schon mal vorkommen, dass etwas in der ersten gemeinsamen Begutachtung regelrecht durchgefallen ist“, beschreibt Sebastian Jonas dieses Feintuning. „Das Design des Front Cars etwa musste nach der ersten Fertigung noch einmal komplett überarbeitet werden. Wir alle sahen direkt, dass die Proportionen zum restlichen Zug einfach nicht stimmten.“

Daneben forderten auch die technischen Faktoren im Entwicklungsprozess den Hersteller immer wieder heraus. Wie etwa die Frage nach der Platzierung der Zugtechnik, also die Magnete für Antrieb und Bremsen und die Einrichtung für die Reibräder. Damit sich die einzelnen Komponenten nicht behinderten, war die kompakte Unterbringung auf dem sehr begrenzten Platz unterhalb des Zuges eine kniffelige Angelegenheit. Genauso das Gewicht des Zuges: Um die versprochenen Leistungswerte des intensiven Katapult-Abschusses einhalten zu können, musste das Gesamtgewicht entscheidend verringert werden. Die Lösung lag im Einsatz neuer Materialien, wie etwa Aluminium für die komplett neu entwickelten Fahrwerke. Dadurch konnte das Gewicht im Vergleich zu einem herkömmlichen Standardzug um fast eine ganze Tonne reduziert werden – eine großartige Ingenieursleistung!
Jede Hürde im Fertigungsprozess nahm Intamin sich mit viel Raffinesse vor und entwickelte innovative Lösungen, auch auf eigenen Wunsch. Dass Tarons Zug erstmals eine neuartige dreifache Bügelsicherung bekommen hat, war beispielsweise ein ganz persönlicher Beitrag des Herstellers.

Die Entwicklung von Tarons Zug war ein äußerst intensiver Prozess für alle Beteiligten, ein gemeinsames Abenteuer voller Aufwand und Leidenschaft mit einem rundum erfolgreichen Ausgang. Denn das Ergebnis kann sich sehen lassen: Alle unsere Vorstellungen von Design, Komfort und neuster Technik verschmelzen zu einem Zug, wie wir ihn uns ausgemalt hatten – und der sonst so nicht entstanden wäre. „Wir haben durch unsere Anforderungen den Anstoß gegeben, hier etwas ganz Neues auf die Beine zu stellen“ freut sich Sebastian Jonas über die bereichernde Zusammenarbeit. „Man kann sagen, dass es diesen Zug ohne uns nicht gegeben hätte.“
Ein maßgeschneiderter Zug, dessen ersten Einsatz wir kaum noch abwarten können. Voller Vorfreude fiebern wir dem Moment entgegen, an dem wir sehen, ob alle unsere Wünsche für das Erlebnis unserer Gäste aufgehen und wie sie sich anfühlt, die Fahrt mit dem „Phantasialand-Zug“!

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