Neue Themenwelt Klugheim

Licht ins Dunkel

Text: Christina Herrmann
Fotos: Robert Fülling

Eine besondere Lichtstimmung für Klugheim

Thematisierung

In den Stuben der fleißigen Dorfbewohner flackern die Kerzen, züngelnde Laternen tauchen Gassen und Brücken in warmen Glanz: Wenn es Abend wird und die Sonne hinter den dunklen Basaltfelsen verschwindet, legt sich über Klugheim der schummrige Schein alter Zeiten.

„Es soll hier abends so authentisch und stimmig aussehen, dass der Besucher ganz natürlich in ein dämmeriges Dorf wie vor Jahrhunderten versetzt wird“, beschreibt Markus Fuchs die Lichtstimmung der neuen Themenwelt. Für den Projektleiter der Lichttechnik im Phantasialand ist die Konzeption der Beleuchtung in Klugheim eine Aufgabe, die viel mehr umfasst als die Positionierung von Lampen und die Auswahl von Glühbirnen. Für ihn muss das Licht auch eine Geschichte erzählen, muss das raue und ursprüngliche Gefühl Klugheims aufgreifen und unterstützen.

Jeder Schatten von Hand gezeichnet

Stimmungsvolle Grundlage dafür war das Mood-Book für die Themenwelt: eine erste Skizzierung des zünftigen Dorfes und der imposanten Felsenlandschaft mit phantasievollen Details zu Gestaltung, Lebenswelt und Ambiente. Daraus konnte Markus Fuchs für sein Licht eine klare Richtung ableiten: Mystisch sollte es werden, ein wenig schummrig, aber auch behaglich. Eine Kombination aus dunklem Blau und warmem Gelb, akzentuiert gesetzt nach dem Prinzip „weniger ist mehr“.  

Noch bevor der erste Felsen in Klugheim errichtet wurde, begann der Lichtdesigner mit der Erarbeitung eines detaillierten Lichtplans, erst einmal allerdings in der virtuellen Welt. Am Computer zeichnete er in Fotos der Modelle aller Gebäude Klugheims die benötigten Lichtquellen – und zwar so, wie sie in der fertigen Themenwelt wirken sollten. Als flackernde Laternen am Wegesrand, als gedämpfte Wandleuchten über dem Tor zur Schmiede, als einladende Hängelampe über der lebhaften Taverne. Alle Felsvorsprünge, Erker und Brückenpfeiler musste er beim Zeichnen des Lichtscheins einplanen, jeden Schatten von Hand gestalten. „So habe ich mich dann von Haus zu Haus vorgearbeitet, bis ich für ganz Klugheim festlegen konnte, welche Lichtquellen wo benötigt würden“, beschreibt Markus Fuchs den intensiven Prozess.

Im nächsten Schritt musste der Lichtexperte die virtuelle Stimmung in reale Anforderungen übersetzen: Welche Leuchte passte an welche Position? Welche Lampenart erzeugte den gewünschten Lichtschein? Um das zu beantworten, kombinierte er die kreativen Vorschläge aus dem Mood-Book – Laternen, Wandlampen, Hängeleuchten und Sockellampen – mit seinen Anforderungen an Größe und Abstrahlung und suchte für die verschiedenen Bereiche in Klugheim jeweils einen Leuchtentypus aus: „Die runden Laternen passen in ihrer gefälligen Form gut zum fröhlicheren Dorfplatz und Rutmor’s Taverne, dort findet sich nur diese Leuchtenfamilie. Bei RAIK hingegen dominiert beispielsweise eher eine eckigere Form“, beschreibt Markus Fuchs diese Vorgehensweise.

Als alle Leuchten rein planerisch ihren Platz in Klugheim gefunden hatten, wurde es Zeit für die handwerkliche Verwirklichung der Entwürfe: die Fertigung der handgeschmiedeten, gusseisernen Einzelstücke durch die Firma Robers.

Flackernde Kerzen erzählen von einer eigenen Welt

Parallel rückte das Innenleben der Beleuchtung in den Fokus: Die Leuchtmittel. Hier war es neben der Suche von Glühbirnen mit der richtigen Größe und Lichtfarbe besonders schwierig, kompatible Dimmer zu finden. Denn gerade die Dimmbarkeit der Leuchten macht einen essentiellen Bestandteil des Lichtkonzepts aus. „Eine große Herausforderung in der Lichtgestaltung für Klugheim liegt darin, eine Beleuchtung zu erzeugen, die zwar hell ist, aber so aussieht, als wäre es eigentlich dunkel“, erklärt Markus Fuchs. Erst durch sich verändernde Helligkeiten bekommen die Laternen einen authentischen Charakter: Wenn hinter den grünen Glasfenstern die Kerzen zu flackern scheinen und die Laternen auf den Brücken mal stärker, mal schwächer glimmen, erzählen sie die Geschichten einer ganz eigenen Welt. Von den Handwerkern, die nach einem langen Arbeitstag mit der Familie das Nachtmahl genießen. Von den mächtigen Naturkräften, die unter den Felsen und Dorfwegen schlummern und immer mal wieder aufblitzen. Dann erwacht das abendliche Klugheim auch in seinen Lichtern zum Leben.

Um diese Welt nicht nur stimmungsvoll, sondern auch sicher in den Schein alter Zeiten zu tauchen, galt es für den Lichtdesigner neben dem Ambiente auch die Funktion der Leuchten einzuplanen. Beinahe jede Lampe in Klugheim muss über die dekorative Aufgabe hinaus noch eine ganz praktische Rolle erfüllen – als Wegbeleuchtung, als Arbeitslicht, als Notbeleuchtung. Dafür fand Markus Fuchs eine elegante Lösung: Die meisten Leuchten sind zwei Lampen in einer. Unten haben sie einen Glasboden und innen ein zweites Leuchtmittel, das nur auf den Weg leuchtet. „Damit ist die Leuchte oben rein dekorativ einsetzbar und kann unten je nach Bedarf funktional genutzt werden. So konnten wir die sonst oftmals eher unattraktive Notbeleuchtung in die so wunderbar gestalteten gusseisernen Laternen integrieren, ohne das optische Gesamtkonzept stören zu müssen“, freut sich der Lichtkünstler.

Denn genau darum geht es bei seinem Lichtkonzept: dass der Besucher voll und ganz in eine eigene Welt eintauchen kann, wenn in Klugheim die Lichter angehen. Dann blitzen keine grellen Verkaufslichter aus der Crêperie über den Dorfplatz oder durchbrechen moderne LED-Lichter die gemütliche Stimmung in Rutmor’s Taverne. „Dann machen einfach nur die Händler und Wirte, Hutmacher und Schleifer ihre Laternen an“, sagt Markus Fuchs mit einem Lächeln. Wie in einem echten alten Dorf eben.

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