„Das Highlight ist für mich immer, die Reaktion unserer Gäste mitzuerleben. Wenn sie staunend durch so eine Anlage gehen, kommt bei mir schon ein bisschen Stolz auf“, sagt Hans-Heinrich Obergfäll, Leiter der Projektabteilung im Phantasialand. Mit „so einer Anlage“ meint er nichts Geringeres als die beeindruckende Themenwelt Klugheim, dessen Entstehung er als Projektleiter von Anfang an begleitet hat. Klugheim war dabei eine ganz neue Herausforderung, ein Projekt, das es in dieser Größe im Phantasialand bisher noch nicht gegeben hatte. Hier würden einmal einzigartige Attraktionen, hervorragende Gastronomie und eine eindrucksvolle Thematisierung zu einem außergewöhnlichen Gesamterlebnis verschmelzen. Bevor diese Vision jedoch verwirklicht wurde und Hans-Heinrich Obergfäll die staunenden Reaktionen der Besucher beobachten konnte, stand auch er staunend vor dieser Themenwelt – im Maßstab 1:100. „Nachdem die Entscheidung getroffen wurde, in welche Richtung die neue Attraktion gehen sollte, ist zunächst dieses Modell entstanden“, so der Projektleiter.

Das Gefühl ‚Klugheim‘

Und bereits diese Grundlage für Klugheim ist eine phantastische Welt für sich. Jedes Detail des Modells ist liebevoll geplant und gestaltet und hat seinen genau definierten Platz in diesem herausragenden Gesamtgefüge. Hier kann man in das „kleine“ Dorf eintauchen und einen Blick auf die intensive Planung, die diesem besonderen Projekt zugrunde liegt, werfen, während zugleich das Ausmaß, das dieses Vorhaben in der Realität einmal annehmen sollte, zu erkennen ist: Imposante Gebäude mit Schiefer- und Holzdächern, in den Himmel ragende Basaltsäulen sowie sich kreuzende Schienen der späteren Weltrekordachterbahnen TARON und RAIK ermöglichen dem Betrachter des Modells eine faszinierende Vorstellung von Klugheim.

„Es war ganz entscheidend, ein Gefühl dafür zu bekommen, was hier entstehen soll“, erläutert Hans-Heinrich Obergfäll die besondere Herangehensweise. Keine Zeichnung und kein Computerprogramm konnten diese Vision transportieren und einen Eindruck dessen vermitteln, was hier geplant wurde. Man fühlt schon auf dem „Miniatur“-Marktplatz die Klugheimer Geselligkeit, man hört noch das Verklingen der Werkzeuge nach getaner Arbeit, von der sich die klugen Köpfe bei einem deftigen Essen erholen, dessen würziger Duft jeden zum Verweilen einlädt. In das beeindruckende Vorbild wurde derart viel Leben eingearbeitet, dass schon am Beginn der Bauphase der Puls von Klugheim zu spüren war, noch bevor ein realer Stein versetzt wurde. „So haben die Architekten und Statiker dann auf Basis des Modells ihre Arbeit aufgenommen. Das war wie ein 3D-Bauplan“, sagt der Projektleiter begeistert zu diesem eher ungewöhnlichen Prozess.

 

„Wir gehen in die Tiefe wie sonst kein Park auf der Welt. Anhand des Modells konnten wir zeigen, wie wir uns die Gestaltung vorstellen, von den zu verwendenden Materialien bis hin zur Bauweise. Dadurch ist Klugheim nicht nur oberflächlich sichtbar, sondern auch in seiner Struktur spürbar.“

Traditionelle Bauweisen und Materialien für den Charakter Klugheims

Da die komplette kreative Ausarbeitung von Klugheim am Modell realisiert wurde, diente es neben den Architekten und Statikern auch den Zimmerleuten, Dachdeckern, Schreinern und Pflasterern als Vorbild für ihre Arbeit. So standen alle zunächst im Planungsbüro von Hans-Heinrich Obergfäll und haben Fotos erstellt: von Häusern mit rotbraun leuchtenden Kupferdächern und anthrazitfarbenen Schiefern, von rustikalen Schornsteinen, markanten Dachgauben, rauen Basaltfelsen und steinigen Pfaden. Auf der späteren Baustelle dienten diese Fotos dann als Vorlage für die gewünschte Ausführung. „Wir gehen dabei in die Tiefe wie sonst kein Park auf der Welt. Anhand des Modells konnten wir zeigen, wie wir uns die Gestaltung vorstellen, von den zu verwendenden Materialien bis hin zur Bauweise. Dadurch ist Klugheim nicht nur oberflächlich sichtbar, sondern auch in seiner Struktur spürbar.“ Und gerade deshalb gab es ganz konkrete Ideen, deren Verwirklichung essentiell für die Stimmung des Dorfes sein sollte. Eine Zielsetzung, die nicht leicht umzusetzen war: „Heutzutage arbeiten nicht mehr viele Dachdecker mit Holzschindeln oder Zimmerleute mit Holzkonstruktionen, die mit Zapfen oder Überblattungen zusammengefügt sind. Diese Firmen mussten wir erst einmal finden“, erläutert Hans-Heinrich Obergfäll. „Aber nur durch diese altehrwürdigen Bauweisen konnten wir den rustikalen und traditionellen Charakter von Klugheim erreichen und die Wertigkeit des Gesamtensembles steigern“, ist der Projektleiter überzeugt.

 

 

Im Anschluss an die erfolgreiche Suche nach den wahren Handwerkskünstlern wurde jedes Detail dementsprechend gründlich unter die Lupe genommen, um das im Modell vorhandene Leben eins zu eins in die Realität zu übertragen. Die aufwendige Bauweise ist deshalb grundlegend für das faszinierend authentische Erlebnis, das mit einem reinen Abbild gar nicht erst entstehen würde. Durch die tiefergehende Ausgestaltung bis in das Innere der Gebäude ist Klugheim aus sich heraus gewachsen und zu einer Themenwelt geworden, die es nur einmal gibt. Die einstigen Erbauer haben hier ihre kulturellen Traditionen mit dem Besten ihrer Gilden kombiniert und Natur und Technik präzise zu verbinden gewusst. Die massiven Häuser mit ihren rustikalen Dächern verdeutlichen die Widerstandskraft der Klugheimer gegen eine raue Umgebung, zeugen aber zugleich auch von der Kreativität der Dorfbewohner – denn die Bauwerke sind Schmuckstücke der Gestaltung in dieser einzigartigen Themenwelt.

Perfekte Planung und Fingerspitzengefühl

Bevor aber die Klugheimer Atmosphäre für einzigartige Momente sorgen konnte, war von Hans-Heinrich Obergfäll noch viel Koordination und Fingerspitzengefühl gefragt. Neben dem eher herausfordernden Baugrund, einem alten Braunkohletagebau, und einem hindurch fließenden Bach, wurde mit zunehmendem Baufortschritt der erforderliche Platz für die vielen gleichzeitig stattfindenden Arbeiten immer geringer. „Die räumliche Enge war bald die größte Herausforderung. Wir haben uns ständig überlegt, bauen wir zuerst diese Schiene, das Gebäude oder den Tunnel, damit wir uns selbst nichts verbauen. Vieles musste parallel umgesetzt werden.“ Während also an einer Stelle noch Erdarbeiten betrieben wurden, haben andere schon die sich über das Dorf erhebenden Felsen gestaltet und die Dächer gedeckt. „Da war teilweise schon viel Einfühlungsvermögen und Überredungskunst notwendig, um alles zu terminieren und zu koordinieren. Aber gerade die Genauigkeit unseres Modells hat die Abstimmungen untereinander deutlich erleichtert“, so Hans-Heinrich Obergfäll.

 

 

„Klugheim ist etwas ganz Besonderes und war von der Komplexität mit vorherigen Projekten nicht zu vergleichen. Aber wir haben das gemeinsam geschafft und es hat sich gelohnt, denn es sieht wirklich so aus, wie wir es uns vorgestellt haben.“

Nur durch die Perfektion der Planung sowie die Leidenschaft und das Engagement aller Beteiligten konnten all diese Unwägbarkeiten gemeistert werden. Dabei war Hans-Heinrich Obergfäll derart in das Geschehen involviert, dass er sich die tatsächliche Dimension der neuen Themenwelt oft erst abseits des Tagesgeschehens vergegenwärtigen konnte: „Wenn man täglich auf der Baustelle ist und sich mit dem Projekt beschäftigt, muss man sich immer wieder einen Überblick darüber verschaffen, was hier Großes entsteht. Es war jedes Mal sehr eindrucksvoll, wenn die Baustelle am Morgen noch still vor einem lag oder man abends nochmal mit Abstand alles betrachten konnte“, sagt der Projektleiter der Themenwelt. „Klugheim ist etwas ganz Besonderes und war von der Komplexität mit vorherigen Projekten nicht zu vergleichen. Aber wir haben das gemeinsam geschafft und es hat sich gelohnt, denn es sieht wirklich so aus, wie wir es uns vorgestellt haben.“ Und davon kann sich jeder im realen Klugheim überzeugen: Wer aufmerksam über die charakteristischen Wege schreitet und mit den Blicken jedes Detail der rustikalen Häuser und der massiven Felsformationen erkundet, spürt genau jene lebendige Atmosphäre, die auch das Modell von Klugheim in sich trug – und noch viel mehr: „Das Modell ist schön, aber noch viel schöner ist das, was wir daraus gemacht haben und wie Klugheim heute im Original wirkt“, sagt Hans-Heinrich Obergfäll zufrieden.

Author

Timo Hertel