So entsteht der Soundtrack für die neue Themenwelt

Die feine Membran der Lautsprecher fängt an zu zittern, als Andreas Kübler den Regler langsam aufzieht. Deftige Bässe suchen sich ihren Weg aus den Boxen und entlocken dem mächtigen Holztisch im Tonstudio von IMAscore ein tiefes Wummern. „Der Sound von TARON wird majestätisch“, sagt der Komponist mit lauter Stimme.

Der Einblick in die akustische Seele der Achterbahn dauert nur wenige Sekunden. Das Repertoire an musikalischen Hörerlebnissen für den Multi-Launch-Coaster TARON, den Family-Boomerang RAIK und die neue Themenwelt Klugheim ist jedoch um einiges facettenreicher: Es ist Klugheim in Noten geschrieben – mal ursprünglich wie die Holzhäuser, mal mächtig wie die Coaster, an einigen Stellen auch freundlich wie das Dorfleben.

„Um dies alles in Einklang zu bringen, muss man die Musik speziell dafür komponieren. Eine Zusammenstellung aus fertigen Titeln würde keine Einheit ergeben und der Gast würde nie das Gefühl bekommen, zum Beispiel in einem lebhaften Dorf zu stehen. Der Soundtrack musste genauso einzigartig sein wie Klugheim selbst“, sagt Michael Laß, Sound-Supervisor im Phantasialand.

Er ist der Vater der Musik von Klugheim. Michael Laß hat den Soundtrack von den ersten zarten Tönen an begleitet, ihn bildlich gesprochen an die Hand genommen und ihm geholfen, sich zu einer imposanten Komposition zu entwickeln. „Als ich zum ersten Mal das Modell von Klugheim gesehen habe, hatte ich gleich eine bestimmte Musik im Kopf“, berichtet der Klang-Experte.

Um aus der Gedankenkomposition ein hörbares Erlebnis erwachsen zu lassen, holte er sich mit den Komponisten von IMAscore einen kreativen Partner an seine Seite. Schon für den Soundtrack von Chiapas – DIE Wasserbahn haben sie äußerst erfolgreich zusammengearbeitet und der beliebten Attraktion im Themenbereich Mexico eine einzigartige musikalische DNA gegeben. Klugheim aber sollte das noch einmal toppen.

Jede fertig komponierte Minute war ein Meilenstein auf dem Weg zum Hörerlebnis, denn die Anforderungen waren hoch wie nie zuvor. „Ein falsch gewähltes Instrument konnte schon dafür sorgen, dass nicht die Wirkung erzielt wurde, die wir uns für Klugheim gewünscht haben und ich konnte sofort sagen: Das geht in die falsche Richtung, bitte verwerfen. Oder es passte, dann sollten sie so weitermachen. Bei einigen Titeln wurden bis zu zehn verschiedene Versionen komponiert, bis die endgültige Fassung erreicht wurde“, gibt Michael Laß Einblicke in den Entstehungsprozess.

Entsprach die Demo eines Tracks seinen Vorstellungen, lenkte er die Komponisten wie ein Dirigent weiter in die gewünschte Richtung und versuchte dabei, jedem das Maximum an Kreativität zu entlocken. „Wir haben uns Stück für Stück an das Endergebnis herangetastet, bis die Musik letztendlich so war, wie wir uns das für das Projekt Klugheim vorgestellt haben“, betont Michael Laß.

Die Phantasie schreibt die Noten

Am Ende ist ein Soundtrack mit dem Charakter einer Filmmusik entstanden – nur ohne Film. Denn im Gegensatz zu der Komposition eines Soundtracks für einen Hollywood-Blockbuster haben keine fertigen Bilder die Handlung vorgegeben, an der sich die Musiker hätten orientieren können. Hier hat es keine Heldengeschichte gegeben, die mit epischen Geigenklängen hätte untermalt werden können. Hier hat die Phantasie die Noten geschrieben.

„Wichtig ist, dass die Musik in jeder Situation passt“, sagt Komponist Andreas Kübler. „Wir müssen sie unabhängig davon komponieren, ob gerade ein Coaster spannungsgeladen durch Klugheim rauscht oder nicht. Sie muss jederzeit die Stimmung der Besucher aufgreifen und sie emotional berühren.“

Und so sind im Tonstudio Klangwelten entstanden, die sich an manchen Stellen ganz leise und sanft anhören, an anderen wiederum dynamisch und mächtig wirken. „IMAscore hat einen tollen Job gemacht. Sie haben viele Ideen für Melodien eingebracht und wirklich kreativ gearbeitet“, lobt Michael Laß die Komponisten.

So wird auf dem belebten Dorfplatz eine gänzlich andere Musik zu hören sein als im Bahnhof des schnellsten Multi-Launch-Coasters der Welt. „Wir wollten zuerst eine Gesamtstimmung produzieren – für TARON und Klugheim zusammen. Dann aber haben wir gemerkt, dass der Dorfplatz doch eine etwas fröhlichere und leichtere Atmosphäre haben wird und deshalb den imposanten Part auf TARON gelegt, um klarzumachen: Hier geht es zur Sache.“

Auch im Bahnhof von TARON und RAIK und in Rutmor’s Taverne wird sich Klugheim akustisch unterschiedlich präsentieren, denn für jeden Bereich wurden ganz eigene bis zu 40-minütige Tracks komponiert, mehrere individuelle Klangerlebnisse für jede Location. So können die Besucher lange dort verweilen, ohne dass sich die Musikstücke wiederholen.

Die Komponisten haben aber nicht nur stimmungsvolle Musik für die neue Themenwelt geschaffen – sie haben ihr Leben eingehaucht. „Einen besonders wichtigen Teil des Sounds von Klugheim nehmen die Soundeffekte ein. Dadurch wird die Themenwelt erst lebendig“, sagt Michael Laß. „Wir haben zum Beispiel das Krähen eines Raben eingebaut, an der einen oder anderen Stelle werden Stimmen zu hören sein und auch die Natur Klugheims hat eigene Effekte bekommen“, ergänzt Andreas Kübler. Dabei haben sich die Sound-Experten nicht nur an ihrem digitalen Archiv bedient. „Tatsächlich sind wir auch mit dem Mikrofon in den Teutoburger Wald gegangen und haben mal Steine einen Berg hinunterrollen lassen“, erklärt der Tonkünstler.

Und so wurde aus vielen Emotionen, Ideen und Phantasie ein reales Erlebnis: der Sound von Klugheim.

Author

Christian Buhl