Neue Themenwelt Klugheim

Ein Mann und seine Felsen

Text: Christian Buhl
Video: Pablo Kaah | Fotos: Peter Blum

Wie filmreife Kulissen für Klugheim entstehen

Einen naturidentischen Felsen bauen, das macht man nicht mal eben so. Deswegen sind in Klugheim Experten am Werk, die jahrelange Erfahrung darin haben. Die kreativen Köpfe haben schon bei Chiapas – Die Wasserbahn beeindruckende Gesteinslandschaften erschaffen. Doch die Dimensionen von Klugheim sind selbst für die Profis neu. Denn was hier entsteht, ist nicht nur ein Felsen – hier entsteht gleich eine ganze Gebirgskette! Für Felsenbauer Helder Lopez und sein Team ist das eine besondere Herausforderung. Schließlich wird die Landschaft aus Basaltstäben nachher ganz Klugheim durchziehen und der neuen Themenwelt den perfekten Rahmen bieten: Der Multi-Launch-Coaster Taron wird sich seinen Weg durch die Schluchten suchen, während am Fuße des Felsens das Leben im Dorf pulsiert, und natürlich soll alles so echt wie möglich aussehen, so als hätte der Felsen schon über Jahrhunderte dort gestanden.

Um das hinzubekommen, greifen Helder Lopez und seine Mitarbeiter zu ungewöhnlichen Maßnahmen. Denn eins ist klar, hier ist nichts wie auf einer gewöhnlichen Baustelle! Das fängt schon beim Aufbau an. Die Felsenbauer verwenden ein ganz spezielles Gerüst, das es so sonst nirgendwo gibt. Denn um einen richtigen Felsen entstehen zu lassen, reicht es nicht, nur von oben nach unten zu bauen. Man muss auch nach vorne und hinten arbeiten können, um die so einmaligen Strukturen der Natur richtig entstehen zu lassen. Das Gerüst wächst deshalb mit. Je mehr vom Felsen entsteht, desto höher wird das Gerüst. Und Sie können sicher sein: Es wird ziemlich hoch!

Nach vielen Monaten an Arbeit erhebt sich eine Formation aus Basaltsäulen über Klugheim, die sich vor eindrucksvollen Gebirgsketten in Island nicht verstecken muss! Mit viel Leidenschaft ist hier nicht nur ein naturidentischer Felsen entstanden, sondern ein Erlebnis. So fügen sich nach und nach die Details der neuen Themenwelt zusammen, die Ihren Ausflug nach Klugheim unvergesslich machen werden.

Die Unterkonstruktion für die Basaltfelsen entstehen.

Erster Schritt: Skelettierung (Cagework)

Aus Stahl entsteht Schritt für Schritt ein Kunstwerk. Ja, so kann man das tatsächlich nennen! Mit Schweißgeräten fügen die Skulpteure den Rohling aus Baustahlmatten zu einer beeindruckenden Basaltlandschaft aus Erhebungen, Schluchten und Vorsprüngen zusammen. Dafür brauchen sie ein unglaublich gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Der Felsen wird sich später mehrere hundert Meter breit und viele Meter hoch über Klugheim erheben. Das ist eine riesige Fläche, die da bearbeitet wird! Bisher ist davon nur das pure Metall und das Grundgerüst zu sehen. Das Bauwerk erinnert aber schon bald an ein Monument aus Stein, das seit Jahren jedem Wind und Wetter trotzt.

Die Vorbereitungsarbeiten (Cover Match) bevor die erste Betonschicht aufgesprüht wird

Zweiter Schritt: Cover Match

Jetzt kann man schon erkennen, wie der Felsen später aussehen könnte. Doch die vielen  Basaltstäbe sind bisher nur kahle Stahlkonstruktionen, deswegen bekommen sie nun eine Hülle. Die Felsenbauer klettern dafür in die Struktur hinein und bringen hunderte Meter eines besonderen Kunststoffgewebes auf.  Das ist alles andere als einfach. Denn so ein Felsen ist natürlich nicht glatt und eben. Er hat Ecken und Kanten, bei der keiner der anderen gleicht. Und jede muss später mit Gewebe überzogen sein, denn hier drauf wird dann in den nächsten Schritten ein speziell gefärbter Zement aufgetragen, der dem Felsen seinen einzigartigen Charakter geben wird. Mit diesem Schritt sind die Vorarbeiten abgeschlossen. Die Basaltsäulen nehmen Gestalt an.

Der Beton wird auf das Gewebe gespritzt und bietet die Grundlage für die weiteren Schritte.

Dritter Schritt: Scrub

Endlich: Der Felsen bekommt sein Aussehen. Gelernte Steinbildhauer bringen mit Luftdruckgeräten die erste Schicht des Zementputzes auf. Aber nicht irgendeinen Zement – der hier wurde extra für Klugheim gefärbt! Der ist die Basis für die Feinarbeit, die dann in den nächsten Schritten folgt. Man kann aber schon jetzt sehen, wie eindrucksvoll dieser Felsen einmal sein wird – auch wenn ihm das gewisse Etwas noch fehlt. Nämlich sein Charakter.

Die Betonschichten werden in Form gebracht. Dafür ist einige Muskelkraft notwendig.

Vierter Schritt: Sculpture

Die Bildhauer hauchen ihm jetzt Leben ein, verleihen ihm eine Seele. Ein Felsen hat eine Seele? Ja, natürlich! Viele Jahrhunderte trotzt er schon den Launen der Natur und hält auch beim stärksten Sturm stand. Doch die Einflüsse sind nicht spurlos an ihm vorübergegangen: Seine Gipfel sind mit steinernen Narben überzogen. Die Natur hat ihn geformt und macht ihn einzigartig. Und genauso wird auch der Felsen in Klugheim aussehen! Dafür investieren die Bildhauer ihr Herzblut. Mit Kellen und Messern ritzen sie winzigste Einkerbungen in die mächtige Fassade, Zentimeter für Zentimeter. Sie formen Falten und steinerne Strukturen. Sie machen den Felsen echt. So sieht er jetzt jedenfalls schon aus.

Zum Schluss wird dem Ganzen noch Charakter verliehen.

Fünfter Schritt: Paint

Weit ist es nicht mehr bis zum fertigen Felsen. Die Natursteinmaler dürfen das Kunstwerk vollenden. Sie geben den steinernen Formationen den echten Look. Wo sich Klippen aus der Fassade hervortun, lassen sie mit Pinseln eindrucksvolle Verwaschungen entstehen, die von rücksichtslosen Witterungsbedingungen rühren. An anderen Stellen zeichnen sie Strukturen von Basaltgestein, mit all seinen Schattierungen und naturgegebenen Mustern. Hier wird jedenfalls nichts „mal eben so“ auf die Felswand gemalt. Hier sind absolute Profis am Werk, die pedantisch exakt jeden Quadratzentimeter der riesigen Basaltlandschaft mit Pinseln und speziellen Malpistolen bearbeiten. 

Die Stahlkonstruktion ist ähnlich verflochten wie ein berühmter Turm in Paris.
Thematisierung
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