Neue Themenwelt Klugheim

Eine Welt voller Leben

Text: Christina Herrmann

Klugheims Thematisierung erzählt eine ganz eigene Geschichte

Thematisierung

Wuchtige Holzfässer, tiefbraun und voller Spuren jahrelanger Nutzung, stapeln sich an der Steinwand, als würden sie nur darauf warten, in Rutmor‘s Taverne gehievt zu werden. Auf dem massiven Amboss klingen die letzten Hammerschläge noch nach – man erwartet beinahe, dass Schmiedemeister Klinghammer gleich um die Ecke kommt, um die verschlissenen Hufeisen zurechtzubiegen. Frisch gewalkte Wäsche flattert unter den Fenstern, die geflochtenen Weidenkörbe stehen noch auf den Stufen der Holzhäuser, als hätten die Dorffrauen sie gerade erst dort abgestellt…

Wenn man die neue Themenwelt Klugheim erkundet, kann man an jeder Ecke wunderbar detailreiche Elemente des Lebens in dieser einzigartigen Umgebung entdecken. Überall finden sich Spuren der Dorfbewohner, ihre Werkzeuge, ihre Bettwäsche, ihre Bierfässer – Klugheim lebt.

Annette Pieck hat Klugheim dieses Leben eingehaucht. Sie ist seit vielen Jahren als Projektleiterin im Phantasialand für die gestalterische Umsetzung der Themenwelten verantwortlich und hat auch in Klugheim dafür gesorgt, dass sich die mystische Welt zwischen den dunklen Basaltfelsen, dem gewaltigen Schienengewirr der Achterbahnen TARON und RAIK und den hölzernen Dorfbauten mit Leben füllt.

Jedem Haus und jedem Zaun verlieh sie mit ihrem Team einen ganz eigenen Charakter – und zwar so authentisch wie möglich. „Wir verwenden in vielen der Bauten richtig alte Holzbalken, die wir aus urigen Scheunen in Süddeutschland zu uns geholt haben“, berichtet sie. „Die haben teilweise mehrere Jahrhunderte dort Wind und Wetter getrotzt und bringen so ihre ganz eigene, sehr alte Geschichte mit nach Klugheim.“

Ein Gesamterlebnis für alle Sinne

Eine Geschichte, die in der Themenwelt in allen Einzelheiten weitergeführt wird. Hier erzählt jedes Fenster und jede Apparatur vom Leben seiner fleißigen Bewohner. Da steht mal eines der schmuckvollen Fenster mit dem tiefgrünen Glas ein wenig offen, als würde dort gerade gelüftet. Da lässt der große Seilzug erahnen, welch kraftraubende Aufgaben die Klugheimer tagtäglich zu bewältigen haben. Da zeugen ungewöhnliche Gerätschaften vom erstaunlichen Erfindergeist der klugen Dorfbewohner.

„Klugheims Thematisierung ist eine einzigartige Verbindung von ungemein vielen Elementen. Hier greifen Musik und Soundeffekte, Gerüche und Geschmäcker, Bauweisen und Dekorationselemente nahtlos ineinander und erzählen eine gemeinsame Geschichte. Wir wollten ein Gesamterlebnis schaffen, das die Besucher voll und ganz in eine andere Welt eintauchen lässt.“

Und zwar auch diejenigen Besucher, die vielleicht lieber andere mit den Achterbahnen über die Schienen rauschen lassen. Das zeigt sich vor allem in den liebevollen Details rund um das Klugheimer Dorfgeschehen.

Dafür beschäftigte Annette Pieck sich über mehrere Monate intensiv mit alten Handwerksberufen. „Geschichtsbücher und alte Fotos haben mir einen guten Eindruck vermittelt, wie es früher etwa in einer Schmiede ausgesehen hat. Die Dinge aber einfach nur hübsch zu drapieren ohne die echten Gegebenheiten nachzubilden, kam für uns nicht in Frage“, erklärt sie. „Ich habe mir daher unter anderem von den Handwerkern hier vor Ort erklären lassen, wie die einzelnen Werkzeuge wirklich benutzt wurden, um sie fachgerecht einsetzen zu können. Dabei kamen aus deren alten Sammlungen manchmal sogar die ersten Fundstücke zusammen.“

Antike Einzelstücke mit schöner Patina

Genau solche, wirklich gebrauchte Werkzeuge waren es nämlich, die sie für ihren Fundus haben wollte: „Für Klugheim habe ich echte alte Sachen gesucht. Antike Einzelstücke mit einer schönen Patina, die den jahrelangen Gebrauch ganz deutlich zeigt.“

Wochenlang graste sie dafür Antiktrödelmärkte ab, bot mit bei Onlineauktionen und durchstöberte sogar die Scheunen ihrer Nachbarn nach authentischen Überbleibseln alten Dorflebens. So kam nach und nach eine Sammlung zusammen, die Klugheim in ein bewohntes Dorf alter Zeiten verwandeln konnte: Dunkle Holzfässer, in denen vor Jahren tatsächlich Chardonnay und Starkbier gelagert worden war. Knarzige Karren, in denen schon im Mittelalter die Waren feilgeboten wurden. Kniehohe Zangen, mit denen Schmiede vor langer Zeit ihre glühenden Eisenwaren angefasst hatten.

Das war manchmal recht knifflig, berichtet Annette Pieck: „Wer verkauft schon einen uralten Hammer mit einem abgebrochenen Stiel oder einen antiken Kupferkessel mit lauter Dellen? Genau das wollte ich aber haben, nur so kann man spüren, dass in Klugheim echte Menschen leben.“

Als wäre der Schmied nur kurz weg

Genau das war auch der Anspruch, als es darum ging, die vielen aufwendig gesuchten Gebrauchsgegenstände in Klugheim zu positionieren: Es musste lebensecht aussehen. Sodass der Besucher, wenn er Klugheim erkundet, ein Gefühl bekommt, als wären die Dörfler nur kurz mal weggegangen.

Dazu bekamen die Set Dresser – also diejenigen, die die Dekorationselemente in den Kulissen Klugheims verteilten – klare Vorgaben von Annette Pieck und dem Themenwelt-Designer. In genauen Skizzen legten die beiden fest, wie viele Fässer bei der Brauerei von Mälzer & Söhne stehen würden, welche Mehlsäcke Herr Kornmüller für seine Crêpes bekommen sollte und welches Werkzeug in der Werkstatt des Zimmermanns liegen musste.

Mit jedem scheinbar zufällig abgelegten – aber doch ganz bewusst positionierten – Hammer, Korb und Karren ist Klugheim so immer mehr zu einer Welt geworden, in der das Leben an jeder Ecke zu spüren ist. Und wenn dann über den Dorfplatz der Duft frischgebackenen Brotes weht, aus der Schmiede das Klirren von Hammer und Amboss erklingt und hinter den Fenstern die Kerzen flackern, dann kann man sie förmlich vor sich sehen: die fleißigen Handwerker bei der Arbeit, die Dörfler beim fröhlichen Feiern in der Taverne, die tapferen Wanderer auf ihrer Reise durch die raue Felsenlandschaft.

Dann werden alle Details der aufwendigen Thematisierung zu einer Einheit und erwecken Klugheim mit allen Sinnen zum Leben. In Klängen und Gerüchen, Lichtern und Dekorationen – und vor allem in der Phantasie!

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