Hinter den Kulissen

Eine Frage von Millimetern

Text: Christina Herrmann
Video: Robert Fülling

Die Schienenvermessung - das Geheimnis für ein optimales Fahrgefühl

Neue Themenwelt Klugheim

„200 Prozent“ ruft Nicole Fitz schmunzelnd durch das Schienengewirr der neuen Achterbahn Taron zu den Monteuren an den Stützen. Mit weniger gibt sie sich nicht zufrieden. Nicole Fitz ist Vermessungstechnikerin der Firma Geosys-Eber und wurde von uns zur Vermessung von Tarons Streckenverlauf extra aus Bayern in die neu entstehende Themenwelt Klugheim geholt. Unzählige Vermessungen haben die Münchner Spezialisten bereits erfolgreich vorgenommen, unter anderem die komplette Ferrari World in Abu Dhabi. Die schnellste Achterbahn der Welt, Formula Rossa, maß Nicole Fitz in der Hitze der Wüstenstadt mit ihren Kollegen aus – und ist damit genau die Richtige für die Schienenvermessung von Taron. Denn hier kommt es auf absolute Präzision und gründlichste Genauigkeit an, selbst bei schwierigsten Bedingungen.

Extraschritt für den optimalen Fahrspaß

Die Schienenvermessung ist nämlich das letzte, aber entscheidende Rädchen, an dem wir drehen können, um Taron zu einem großartigen Fahrerlebnis zu machen. Hier können wir noch einmal beeinflussen, ob der Zug des Multi-Launch-Coasters uneben über die Schienen rattert oder sanft darüber gleitet.

Dabei ist eine solche Schienenvermessung keinesfalls Standard beim Aufbau von Achterbahnen. Der enorm zeitaufwendige Extraschritt wird selten in Angriff genommen, zu oft muss die Qualität dem Zeitdruck weichen. Und das, obwohl eine Verschiebung von nicht mal einem Blatt Papier zwischen den Schienenanschlüssen schon Enormes bewirken kann: Statt des losgelösten Fahrgefühls voller Komfort und Adrenalin, das uns so am Herzen liegt, würde Tarons Reise durch Klugheim von einem störend holprigen Fahrerlebnis geprägt. Selbst wenn die Schienen nur winzige 0,2 Millimeter vom berechneten Standpunkt abweichen, der Fahrspaß wäre dahin!

Daher muss gerade hier, auf der Schiene, besonders gründlich gesichert werden, dass aller Aufwand, der in die innovative Entwicklung des Multi-Launch-Coasters geflossen ist, auch während der Fahrt optimal zu spüren ist. Schließlich haben wir mit unserer Herstellerfirma Intamin nicht umsonst unzählige Male an allen „Schräubchen“ gedreht und jedes Detail leidenschaftlich ausdiskutiert, bis das Ergebnis stimmte. Sei es die ganze eigene Dramaturgie des Streckenlayouts, die Beschaffenheit des Schienenfachwerks oder die komplette Neuentwicklung des Zuges – jedes Element der Achterbahn haben wir auf ein Ziel hin konzipiert: Für unsere Gäste ein einzigartiges Gesamterlebnis mit einem bestmöglichen Fahrgefühl zu erschaffen. Die perfekt vermessenen Schienen sind hierbei mehr als nur ein i-Tüpfelchen. Sie sind der finale Faktor, mit dem die Verwirklichung des ganz großen Fahrspaßes von Taron steht oder fällt.

Größte Präzision dicht an dicht mit den mächtigen Felsen

Vor allem wegen der abenteuerlichen Aufbaubedingungen: Tarons Strecke konnte nicht einfach durchgängig von Anfang bis Ende aufgebaut werden, sondern musste Stück für Stück aus der Themenwelt herauswachsen. Völlig verschlungen führt das Streckenlayout durch die mächtige Felsenlandschaft, viele der Stützen sind gänzlich in Gesteinsformationen eingebettet oder in Schluchten verborgen. Teilweise blieb nur eine Handbreit Platz, wenn die Monteure die riesigen Schienenstücke vorsichtig an ihre Position manövrierten. Größte Präzision war gefragt, damit die Anschlüsse der einzelnen Schienenelemente letztendlich perfekt zusammenpassten.
Ein komplexes Aufbauabenteuer, das beeindruckende Monteurleistungen hervorgebracht hat – und deshalb Nicole Fitz nun noch einmal mehr Geschick bei der Vermessung abverlangt. Denn selbst bei bester Präzisionsarbeit können sich in der anspruchsvollen Montage dicht an dicht mit den Felsen Verschiebungen eingeschlichen haben, die mit dem bloßen Auge nicht zu erkennen sind. Die Zielvorgabe für die Vermessungsexpertin ist daher eindeutig: Jede noch so kleine Ungenauigkeit im Streckenverlauf des Multi-Launch-Coasters aufzuspüren und zu beseitigen.

Dazu steht sie nun mit ihrem Tachymeter, einem Gerät zur exakten Messung von Punkten, mitten in Klugheim und spürt jede winzige Schienenabweichung mit detektivischer Genauigkeit auf. Viele kleine, auf den ersten Blick unscheinbare, Reflektorfolien wurden zuvor für ihre Messung auf den Schienenschnittpunkten angebracht. Denn dort ist die Stelle, an der eine Schienenverbindung ungenau sein könnte. Nicole Fitz visiert nun einen dieser Reflektoren an und lenkt mit dem mannshohen Messgerät zielsicher einen Laserstrahl auf den Messpunkt. Mit wachem Auge und ruhiger Hand misst sie aus, wie exakt die Monteure arbeiten konnten. Und dabei ist sie äußerst streng. Nur minimalste Abweichungen von den berechneten Koordinaten kann sie für ein einwandfreies Endergebnis erlauben: „Noch fünf Millimeter absenken, noch drei, zwei runter“, Nicole Fitz ist hochkonzentriert, während sie durch ihr Messgerät schaut. Über Funk steuert sie parallel ganz routiniert jede Bewegung der Monteure, die die Korrekturen an den Stützen vornehmen. Mit erstaunlichem Feingefühl und größter Sorgfalt heben und senken die kräftigen Männer über Hydraulikpumpen die mächtigen Stahlkonstruktionen vorsichtig in die gewünschte Richtung bis Nicole Fitz den Daumen hebt. Dann sitzt die Schiene auf den Millimeter genau und kann fest montiert werden.

Ein ganz besonderes Fingerspitzgengefühl

In Klugheim ist das für die erfahrene Expertin eine nicht ganz einfache Aufgabe: „Das ist schon eine besondere Herausforderung hier“, sagt Nicole Fitz, während sie mit dem Tachymeter aufmerksam die nächste Koordinate anvisiert. Die Genauigkeit bei der Vermessung sei das eine. „Aber dadurch, dass Taron so eng gebaut wurde und die Schienen so dicht an den Felsen entlanglaufen, ist das noch einmal ein ganz anderes Niveau“, erklärt sie.

Dazu kommt noch ein Umstand, der dem charakteristischen Layout von Taron geschuldet ist: Statt nur einer Schiene pro Stütze liegen bei Taron bis zu vier verschiedene Schienen auf einem einzelnen Stützpfeiler. Nur so konnte die dynamische Streckenführung mit allen von uns gewünschten Fahrfiguren in der Enge der Felsenlandschaft Klugheims realisiert werden. Ein großes „Schienenknäuel“, das in seiner Verschlungenheit ein nicht alltägliches Erlebnis bietet – und von der Vermessungstechnikerin noch einmal ein ganz besonderes Fingerspitzengefühl fordert. Denn eine kleine Ungenauigkeit an einer solchen Stütze hat direkt an mehreren Schienen Abweichungen zur Folge. Bis zu vier Schienen aufeinander abgestimmt im wahrsten Sinne des Wortes auf Spur zu bringen, macht die Schienenvermessung von Taron für Nicole Fitz zu einer ungewöhnlich kniffligen Aufgabe. Und zeigt einmal mehr, wie wichtig die exakte Vermessung dieser außergewöhnlichen Achterbahn ist.

Denn das ist Taron: Alles andere als gewöhnlich. Und das gilt auch für die Schienenvermessung. Nicole Fitz muss ihr Bestes geben, um das Beste aus Taron herauszuholen. 200% Konzentration, Fingerspitzengefühl und Präzision – für 100% optimalen Fahrspaß.

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