Hinter den Kulissen

Ein Himmelsschauspiel aus Musik und Feuer

Text: Christina Herrmann
Fotos/Video: Robert Fülling, Pascal Tischler

Wie das Feuerwerk zu „The Magic Rose - Spirit of Light“ entsteht

ShowWintertraum

 „Schon der erste Ton muss kraftvoll sein“, erklärt Michael Laß, „ein starker Startpunkt für ein magisches Himmelsschauspiel.“ Der Sound-Supervisor ist der kreative Kopf hinter allen Klangerlebnissen im Phantasialand und verantwortlich für den musikalischen Part des allabendlichen Höhepunkts im Wintertraum: Gemeinsam mit den Komponisten von IMAscore entwickelt er die Musik zum Feuerwerk der großen Abendshow „The Magic Rose - Spirit of Light“. Eine Arbeit, die sich deutlich von anderen Kompositionen im Phantasialand unterscheidet: „Die musikalische Kreativität für das Feuerwerk bewegt sich in ganz anderen Bahnen als die musikalische Gestaltung einer Themenwelt. Während die Sounds sich sonst aus der Umgebung heraus entwickeln und, wie zuletzt in Klugheim, einer Welt Leben einhauchen, muss die Musik für das Feuerwerk gleich zwei Funktionen erfüllen: Die Stimmung der „Magic Rose“ in den Himmel transportieren und gleichzeitig als Basis der Effekte fungieren. Dass Feuerwerk und Show eine künstlerische Einheit bilden, ist eine der großen Aufgaben unserer Musik“, erklärt der Klangschöpfer.

Denn die Musik ist weit mehr als eine melodische Begleitung des Feuerwerks, sie ist dessen rhythmische und stimmungsgebende Grundlage. Und so findet sich das musikalische Hauptthema von „The Magic Rose“, das mit berührenden Melodien zwischen zarter Emotion und großer Sinfonie eine magische Geschichte erzählt, zentral in der Feuerwerksmusik wieder. Mit all den Klangfarben und Instrumenten, die auch die Show prägen –  allerdings in einer speziell für das Feuerwerk entwickelten Dramaturgie. „Nach dem effektvollen Start wird die Musik wieder ruhiger, um sich dann bis zu einem fulminanten Finale konstant zu steigern“, so Michael Laß. „Und dazwischen immer wieder kleine Akzente, die wie klangvolle Funken die Musik aufbrechen“, erläutert der Sound-Experte die prägnante Rhythmik des Arrangements, das er mit den Komponisten erarbeitet hat.

Von der Melodie zum Goldregen

Erst wenn dieses Arrangement bis zum letzten Ton vollendet ist, kommt ein Feuerwerksdesigner ins Spiel. Er ist derjenige, der die musikalischen Motive in funkensprühende Himmelseffekte übersetzt. Dafür hört er sich immer wieder die Phantasialand-Komposition an, bestimmt in einem speziellen Programm die exakten Zeitpunkte für pyrotechnische Effekte und wählt die passenden Feuerwerkselemente zu den Klängen aus. Dabei immer im Blick: die räumlichen Gegebenheiten und die vom Phantasialand gewünschte Wirkung des Himmelsschauspiels über den Dächern von Wintergarten und Schauspielhaus. „Der Designer muss einerseits die Optik der pyrotechnischen Effekte auf dem Kaiserplatz vor seinem inneren Auge sehen und sich andererseits voll und ganz auf die Musik einlassen. Erst, wenn er Musik und Effekte optimal in Einklang gebracht hat, kann aus dem Feuerwerk ein unvergessliches Erlebnis werden. Das Design eines solchen Bühnenfeuerwerks ist daher eine sehr aufwendige und gleichzeitig wunderbar künstlerische Arbeit“, beschreibt Torsten Sauer von der Firma Weco die kreative Planung des Feuerwerks – das das international ausgezeichnete Unternehmen für Pyrotechnik nun bereits zum sechsten Mal Hand in Hand mit dem Phantasialand für die große Abschlussshow im Wintertraum entwickelt.

Mit den Kompositionen von Michael Laß und IMAscore im Ohr entsteht so nach und nach die optische Komponente des allabendlichen Finales. Zu sanften Geigenklängen und eindrucksvollen Bläserfanfaren, sphärischen Melodien und kraftvollen Paukenschlägen wählen die erfahrenen Feuerwerksexperten eine wortwörtlich bunte Vielzahl an verschiedenen Effekten aus, um den Himmel über dem Phantasialand zum Strahlen zu bringen: Silberkometen mit roten, gelben und blauen Sternen, die kraftvoll in den Himmel schießen. Goldflimmer mit violetten Sternen, der sich festlich über das geschmückte Berlin ergießt. Zart schimmernder Goldregen, der die Dunkelheit erfüllt…

Stück für Stück in Handarbeit

Rund 1.500 verschiedene Effekte landen auf der Liste des Designers – pro Showabend, wohlgemerkt. Die enorme Zahl an dafür benötigten Feuerwerkskörpern werden anschließend direkt vor Ort produziert. Und zwar von Hand.

Unter höchstens Sicherheitsvorkehrungen – immerhin wird hier mit hochexplosivem Material gearbeitet – wird jeder sogenannte „Bühnenfeuertopf“ einzeln hergestellt. In kleinen kabinenartigen Räumen befüllen die Mitarbeiter der Firma Weco dicke Papprohre mit dem richtigen „Cocktail“ für den jeweiligen Feuerwerkskörper: unten das Schwarzpulver in kleinen Körnern, darüber in ebenso schwarzen Kügelchen die "Sterne", die für den Effekt sorgen. Damit diese hochsensiblen Mischungen nicht zerdrückt oder in gefährlichen Mengen abgefüllt werden, muss die Abmessung und das Einfüllen gefühlvoll von Hand erfolgen – Rohr für Rohr für jeden eigens für „The Magic Rose“ hergestellten Feuerwerkskörper.

Im nächsten Schritt werden diese Bühnenfeuertöpfe in der vom Designer festgelegten Reihenfolge auf hölzernen Steckplätzen, „Racks“ genannt, verteilt und mit unzähligen Drähten verkabelt – der Abschuss erfolgt bei einem solchen Bühnenfeuerwerk natürlich sekundengenau getaktet per elektrischem Impuls. Diese Racks und ihre Unterbauten sind ebenfalls individuelle Eigenkonstruktionen für das Phantasialand, die genau auf die Dächer in der Themenwelt Berlin zugeschnitten sind. Bis zum Ende des Wintertraums werden diese Racks nun täglich für die abendliche Show bestückt, damit im Phantasialand letztlich nur noch wenige Handgriffe nötig sind.

Von der Skizze auf die Dächer

Der große Aufbau vor Ort erfolgt dann am Tag vor dem ersten Feuerwerk. Stunde um Stunde werden verschiedenste Konstruktionen auf die Dächer von Wintergarten und Schauspielhaus gewuchtet: Hölzerne Untertische und mit Pyrotechnik bestückte Racks, beeindruckende Metallanfertigungen und empfindliche Matrix-Module. Konzentriert wird jedes Element akkurat nach dem vom Designer erarbeiteten Plan ausgerichtet, auf den schiefen Ebenen gesichert und vor der Witterung geschützt. „Im nunmehr sechsten Jahr geht der Aufbau schon recht flott von der Hand. Das lässt uns Zeit, neue Elemente optimal in das Gesamtkunstwerk einzubinden“, sagt Torsten Sauer. „Bei uns ist jedes Feuerwerk ein Unikat und so gibt es auch im sechsten Jahr der großen Abschlussshow keine Wiederholungen“, so der Pyrotechniker. „Das Phantasialand legt so viel Wert darauf, sich permanent weiterzuentwickeln und jedes Jahr ein noch bezaubernderes Erlebnis mit dem Wintertraum zu schaffen, dass wir natürlich auch beim Feuerwerk mit neuen Effekten begeistern wollen.“ Einer davon ist sogar für ihn eine Premiere: Die sogenannte 3D-Sonne kommt im Phantasialand zum allerersten Mal zum Einsatz. Gleich zwei der enormen Metallgestelle errichten die Feuerwerksexperten auf den beiden Dächern am Kaiserplatz – für ein Himmelsschauspiel der besonderen Art.

Ein magischer Moment

Und das ist es auch, worauf Michael Laß letztlich hinfiebert, wenn alle Vorbereitungen abgeschlossen sind und das erste Feuerwerk des Wintertraums ansteht: „Im Gegensatz zur Show von „The Magic Rose“ können wir für das Feuerwerk keine Generalprobe durchführen“, erklärt er. „Die Premiere ist auch für uns der erste Abend, an dem wir sehen können, wie Musik und Pyrotechnik tatsächlich miteinander harmonieren. Wir programmieren vorab alles auf die Sekunde genau, so dass unser Techniker abends eigentlich nur noch ein Knöpfchen drücken muss – zu Beginn des Wintertraums bin ich für den Fall der Fälle aber definitiv auch immer vor Ort. Das ist auch nach vielen Jahren immer wieder aufregend“, erzählt der Sound-Experte. „Wenn dann aber mit den ersten Tönen die Raketen in den Himmel schießen und alles zu einer vollends synchronisierten Einheit verschmilzt, ist das ein tolles Gefühl“, beschreibt er den großen Augenblick, wenn Musik und Feuer die bezaubernde Geschichte der „Magic Rose“ am Himmel weitererzählen und der „Spirit of Light“ in einem Schauspiel aus Funken und Farben das Sternenzelt erfüllt. „Und wenn dann mit jeder Bläserfanfare und jedem Goldregen die Zuschauer immer gebannter in den Nachthimmel blicken, wenn die Augen jedes einzelnen staunend funkeln und die Magie dieses besonderen Moments bis tief in die Herzen vordringt, ist das das schönste Kompliment für unsere Arbeit“, sind sich Torsten Sauer und Michael Laß einig.

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