Hinter den Kulissen

Die Lichter über Berlin

Text: Timo Hertel
Fotos: Peter Blum

Individuelle Weihnachtsbeleuchtung für ein einzigartiges Lichtschauspiel

BerlinThematisierungWintertraum

Den Wellenflug im Rücken, den Blick auf die Straße in Berlin gerichtet, stehen Annette Pieck und Benjamin Kalbfuss mit Gänsehaut und glänzenden Augen auf dem Kaiserplatz. Die zur Aufnahme bereiten Handys wurden schon wieder sinken gelassen, denn dieser Moment muss ungefiltert miterlebt werden: der Moment, in dem die Weihnachtsbeleuchtung zum ersten Mal in voller Pracht erstrahlt.

Glitzernde Girlanden zieren Fassaden und Fenster der Gebäude im Themenbereich Berlin, winden sich an den Säulen des Pferdekarussells empor und hüllen gemeinsam mit der filigranen Straßenüberspannung und der in ihrem Zentrum schwebenden Kugel die dunkelnde Umgebung in eine funkelnde Szenerie. „Wir haben vorher immer nur partiell beleuchtet. Wenn man das dann im Gesamten sieht, ist das sehr ergreifend“, sagt Annette Pieck, Projektleiterin im Phantasialand. „Und es ist genauso geworden, wie wir uns das vorgestellt haben!“

Bereits mit dieser Vorstellung setzte Annette Pieck hohe Anforderungen an Benjamin Kalbfuss, Geschäftsführer von sign&shop Klotz Werbetechnik: Eine phantasievolle und individuelle Beleuchtung sollte ein magisch-atmosphärisches Weihnachtsgefühl transportieren. „Wir wollen unseren Gästen ein Lichtschauspiel bieten, das sie so nicht kennen. Das muss mehr sein als eine standardisierte Innenstadtbeleuchtung“, verdeutlicht die Projektleiterin.

Maßgeschneiderte Lichtkombination

Um dieses glänzende Unterfangen umzusetzen, stellte sich zunächst die Frage nach der idealen Lichtfarbe. „Wollen wir Warmweiß, für eine gemütliche Stimmung, oder Kaltweiß für die moderne Variante? Unsere Antwort lautete dann schnell: Wir wollen beides! Und beides muss getrennt voneinander steuerbar sein“, so Annette Pieck. Ein absolutes Novum, denn eine Mischung von zwei separat geschalteten Lichtfarben in einer Girlande gab es bisher noch nicht auf dem Markt.

Für die maßgeschneiderte Umsetzung solch ungewöhnlicher Ideen hat Annette Pieck in sign&shop aus Bonn und dem Lichthersteller MK Illumination aus Innsbruck die perfekten Partner gefunden. „Mit diesem Wunsch kam noch niemand zu uns“, sagt Benjamin Kalbfuss. „Das war eine schöne Herausforderung. Zusammen mit MK Illumination, dessen Partner wir hier in der Region sind, haben wir das exklusiv für das Phantasialand entwickelt.“

Die Österreicher sind Europas führender Anbieter für festliche Lichtinstallationen und realisieren Projekte in über 120 Ländern weltweit, wie zum Beispiel die gesamte Weihnachtsbeleuchtung für das Kulturzentrum „Place des Arts“ in Montreal, die farbenfrohe Dekoration für das beeindruckende Beleuchtungsprojekt „Luci d’Artista“ in der Hafenstadt Salerno oder ein illuminiertes Rhinozeros in Johannesburgs großem Shoppingcenter „Sandton City“. „Ein hoher Qualitätsstandard und die Verwendung organischer Materialien sorgen für langlebige LEDs und nachhaltige Produkte“, so Benjamin Kalbfuss, der mit seinen Mitarbeitern für die Beratung, den Support und die Montage vor Ort zuständig ist.

„Wir wollen qualitativ hochwertige Produkte und bei MK Illumination bekommen wir genau diese. Die räumliche Nähe zu sign&shop aus Bonn bietet zudem kurze Wege und effiziente Absprachen. Das ist entscheidend, denn wenn wir einmal mit etwas begonnen haben, dann sprudeln die Ideen nur so aus uns heraus“, sagt Annette Pieck mit einem Grinsen. „Aber es kam nie die Aussage: Das gibt’s nicht, das machen wir nicht.“ Und so wurde die Idee der zwei Lichtfarben in die Tat umgesetzt. Mit dieser Kombination passt die Beleuchtung perfekt in den Themenbereich Berlin: das Warmweiß der Goldenen Zwanziger mit einem zeitgemäßen Touch im sogenannten Brillantweiß, das nur MK Illumination produziert.

Insgesamt hat das Team von Annette Pieck mit Unterstützung von Benjamin Kalbfuss und seinen Mitarbeitern über einen Kilometer maßgeschneiderter Girlanden mit mehr als 70.000 LEDs an den Hausfassaden entlang der Straße in Berlin, den Pfeilern des Pferdekarussells, in den Beeten auf dem Kaiserplatz und über den Torbögen am Tribünenhaus angebracht. Zudem erstrahlt über der glasüberdachten Passage neben dem Tribünenhaus ein beeindruckend illuminierter Himmel mit 45.600 warmweißen Lichtpunkten auf 456 Quadratmetern.

Einzigartige Lichtpflanzen und eine organische Kugel

Begonnen hat dieses Vorhaben bereits ein Jahr zuvor. „Da haben wir gemeinsam überlegt, was wir im nächsten Wintertraum haben möchten, erste Ideen entwickelt und konkret erarbeitet. Im Sommer diesen Jahres ging das dann in die Produktionsphase.“

Die hochwertige und individuelle Weihnachtsbeleuchtung wurde in diesem Schritt eigens für das Phantasialand angefertigt, denn nichts der geforderten Elemente lag fertig in den Regalen. „Bei unserer Weihnachtsbeleuchtung soll nichts von der Stange kommen“, bekräftigt die Projektleiterin. „Wir wollten eine ganz individuelle Lichtstimmung erzeugen, und ich glaube, das ist uns gut gelungen. Wir haben Flashing-LEDs für das schöne Glitzern einbauen lassen, können Warm- und Brillantweiß im Wechsel schalten, können die LEDs dimmen, und lassen alles audiosynchron, zum Beispiel zu unserer allabendlichen Show „The Magic Rose – Spirit of Light“, funkeln.“

Aber da war doch noch etwas mit den sprudelnden Ideen. „Irgendwann kam uns der Einfall mit den Lichtpflanzen in den Beeten. Da hat Herr Kalbfuss auch große Augen gemacht. Das ist unsere Sommerbepflanzung als Winterbeleuchtung. Die schlängelt sich durch die Beete wie kleine, beleuchtete Büsche. Die ist etwas ganz Besonderes!“ Während die klassische Weihnachtsgirlande zu drei Vierteln geschlossen ist, um passend an einer Fassade oder einem Fester befestigt werden zu können, sind die Girlandenpflanzen im Phantasialand komplett rund, da sie über dem Boden mit kleinen Stelzen befestigt werden und dadurch von allen Seiten zu betrachten sind. „Da kommt, glaube ich, sonst kein normaler Mensch drauf, sich Girlanden, die eigentlich an ein Haus kommen oder an ein Fenster gehängt werden, in die Beete zu setzen“, verdeutlicht Benjamin Kalbfuss das außergewöhnliche Vorhaben für den diesjährigen Wintertraum.

Außergewöhnlich ist ebenfalls die Straßenüberspannung zwischen den Häusern in Berlin: „Die sollte ihren ganz eigenen Touch haben. Beim Entwurf von Herrn Kalbfuss haben wir uns direkt wiedergefunden und gesagt: Das sind wir“, erläutert Annette Pieck. Entstanden ist so die charakteristische Straßenbeleuchtung mit rautenförmigen Zwischenstreben und der filigranen Kugel im Zentrum. Als Vorbild diente Benjamin Kalbfuss dabei das Pferdekarussell: Er adaptierte die oberen Ornamente, die einmal rund herum führen, und entwickelte für die runde Öffnung in der Mitte die Kugel aus organischem Material, die nun auch in unterschiedlichen Größen in den Wasserbecken und am Tribünenhaus auf dem Kaiserplatz funkelt.

Bewegende Lichtmomente

Nachdem all diese Ideen Gestalt angenommen hatten und angefertigt wurden, begann Anfang November dann die aufwendige Montage der in zwei Sattelzügen angelieferten Weihnachtsbeleuchtung. „Bis zum Beginn des Wintertraums mussten wir uns ganz schön ranhalten und hatten nur zwei Wochen Zeit bis alles stehen musste.“ Inzwischen ist etwas Zeit vergangen und Annette Pieck hatte seit dem ersten Moment gemeinsam mit Benjamin Kalbfuss schon häufiger die Gelegenheit, die fertige, maßgeschneiderte Weihnachtsbeleuchtung in ihrer vollen Pracht zu betrachten. Zahlreiche Handyvideos wurden davon vermutlich auch bereits erstellt. Und dennoch bekommt Annette Pieck immer noch nicht genug davon: „Ich habe hier um die Ecke mein Büro. Da schaue ich mir das immer wieder gerne an und denke jedes Mal: Ist das schön!“

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