Individuelle Kleidung für jeden Dorfbewohner

Wenn sich in der neuen Themenwelt das Dorf mit Leben füllt, ist eine Person besonders gespannt auf dessen Bewohner: Marlies Kniese. Wie schon für viele Themenbereiche zuvor hat sie für Klugheim die Bekleidung entworfen – nun allerdings mit einem ganz entscheidenden Unterschied: Dieses Mal musste sie ein komplettes Dorf einkleiden!

„In Klugheim bekommt jeder Dorfbewohner seine persönliche Kleidung. Jeder hat seinen eigenen, unverwechselbaren Look. Wie in einem echten Dorf“, beschreibt sie die Ansprüche an die Bekleidung der Themenwelt. „Das hat es bisher in keinem Freizeitpark auf der ganzen Welt gegeben, so einzigartig sind die Mitarbeiter sonst nirgends gekleidet“, erzählt sie mit ein wenig Aufregung in der Stimme – auch für die erfahrene Ingenieurin für Bekleidungstechnik waren diese außerordentlichen Anforderungen eine spannende Herausforderung. „Sonst sind einheitliche Uniformen üblich, vielleicht noch in einer Damen- und in einer Herrenvariante, mehr aber nicht. Für Klugheim hingegen mussten wir so variantenreich arbeiten wie nie zuvor – das war unglaublich aufwendig, hat aber auch unglaublichen Spaß gemacht“, erinnert sie sich.

 

Über 700 Einzelteile

Um das ganze Dorf stimmig und authentisch einzukleiden, musste Marlies Kniese sich zu Beginn mit viel Phantasie in den Kleiderschrank der unterschiedlichsten Dorfpersönlichkeiten hineindenken: Schmiede und Hutmacher, Bauern und Jäger, Schankwirte und Reisende – jedem Klugheimer „schneiderte“ sie im Skizzenbuch ein individuelles Gewand auf den Leib.

„Für die ersten Entwürfe lasse mich gerne historisch inspirieren und recherchiere die Kostümgeschichte“, beschreibt Marlies Kniese diesen Arbeitsschritt. „Früher war ein vielschichtiger Staffel-Look gängig und schien mir in seiner Art sehr passend für Klugheim“, erklärt sie. „Wenn die Bauern im klammen Morgennebel aufs Feld gingen, waren sie warm eingepackt mit Mänteln, Pelzen und Mützen – die sie dann nach und nach bei ihrer schweißtreibenden Arbeit ablegten. Als dann die sengende Mittagssonne auf ihre Rücken brannte, blieb nur noch das luftige Untergewand übrig“, weiß die Bekleidungsexpertin. „Diese mehrlagige, schlichte Grundkleidung ist optimal für unsere Anforderungen und kann zudem noch mit den vielen praktischen Extras wunderbar individualisiert werden.“ Genau das Richtige also für die gewünschte Klugheimer Kleidervielfalt.

Die Gugel ist eine kapuzenartige Kopfbedeckung, die auch die Schultern bekleidet. Sie wurde vor allem aus Wolle gefertigt und seit dem Hochmittelalter fast ausschließlich von Männern getragen. Zunächst eher von Bauern, Jägern und Reisenden als Kopf- und Halsschutz, später auch mit Perlen besetzt als modisches Element von den höheren Ständen. Im Laufe der Zeit entwickelten sich aus der Gugel zwei separate Kleidungsstücke: der Auflegekragen und die heute noch gebräuchliche Zipfelmütze.

So entstand neben der einfach gehaltenen Basisbekleidung aus Hemden, Tuniken, Hosen und Klappmänteln eine außerordentliche Fülle an praktischem Zubehör: bunte Auflegekragen, zipfelmützige Gugeln, Ledergürtel und -taschen in unterschiedlichsten Formen und Farben, praktische Strickstulpen, Überwürfe mit individuellen Stoffstrukturen, feminine Pelerinen, ärmellose Tuniken … über 700 Einzelteile gehören der ersten Klugheim-Kollektion an!

Um all diesen Einzelteilen einen ausdrucksstarken Charakter zu geben, war die Wahl des Materials entscheidend. Wollstoffe, Leder und Leinen kamen vielfältig zum Einsatz – und zwar immer in der Beschaffenheit, die das ursprüngliche Klugheim-Gefühl optimal umsetzen konnte. Für den Leinenstoff hieß das beispielsweise, dass Marlies Kniese extra eine Stoffvariation nach eigenen Vorgaben weben lassen musste, herkömmliches Leinen wäre in seiner Struktur zu fein gewesen für den rauen Klugheim-Look.

Auch der Farbgebung der Kleidung kam an einem von dunklen Felsen umgebenen Ort wie Klugheim eine wichtige Rolle zu. „Für ein stimmiges Gesamtbild konnten nur gedeckte Töne benutzt werden“, erklärt die erfahrene Bekleidungsexpertin, „aber dennoch in farbiger Vielfalt, nur braun oder grau wäre viel zu trist. Die Dorfbewohner leben ja ein friedliches, fröhliches Leben. Das darf gerne bunte Akzente setzen. Dieses Mal gibt es daher erstmals auch die Hemden, Hosen, Mäntel und Tuniken in mehreren Farben – von den Accessoires ganz zu schweigen.“

 

Von Hand bestickt

Genau diese Accessoires sind es, die Marlies Kniese die meiste Kreativität und den größten Einsatz abverlangten. Sie sind ihr „Herzstück“ der Klugheim-Kollektion, unzählige dieser Einzelteile hat sie persönlich individualisiert: „Ich habe die Kragen von Hand bestickt, um ihnen Authentizität zu verleihen. Das sieht nicht nur so aus, als hätte die Oma liebevoll Stich für Stich gesetzt, das ist wirklich selbstgemacht“, erklärt sie. „Vom Aufwand her kommt das für mich direkt nach Krabbenpulen“, beschreibt sie den umfangreichen Arbeitsschritt schmunzelnd. „Das ist genauso kleinteilig und langwierig. Aber nur durch Handarbeit bekommt jedes Accessoire einen eigenen Charakter, das schafft keine Maschine.“

So aufwendig arbeitet man sonst eher bei Filmproduktionen, wo nur einzelne Kostüme mit solch immenser Detailverliebtheit hergestellt werden müssen. Bei größeren Mengen fehlt für ausführliche Handarbeit meist die Zeit. Für Klugheim aber sind das eigenhändige Anbringen von Schnallen, Knöpfen und Nieten, Stickereien und Ziernähten ein unverzichtbarer Schritt. Erst mit den handverzierten Kragen, Gugeln und Pelerinen sowie den selbstgemachten Gürteln und Taschen vom Leder-Joe wird ein Outfit vollständig – und bekommt den unverwechselbaren Klugheim-Look.

Passend zum Charakter des Trägers

Allerdings muss Marlies Kniese bei aller Kreativität neben der Optik immer auch die Funktionalität im Blick haben. Schließlich entwirft sie die täglich genutzte Bekleidung der Dorfbewohner in Klugheim. Rund 30 Personen werden dort an den Attraktionen und im Restaurant, im Dorf und Drumherum im Einsatz sein – und zwar in jeder Größe und Statur, im Sommer wie im Winter. Das erfordert viel Flexibilität und Haltbarkeit in den Kleidungsstücken. Mit ihrer langjährigen Erfahrung kann sie die verschiedenen Anforderungen an die Stoffe je nach Einsatzort ebenso sicher abschätzen wie den Bedarf an Kleidergrößen. Nur für die Frage des Tragekomforts holt sie sich kompetente Hilfe: „Die Kollegen, die die Kleidung tragen, können am besten beurteilen, ob etwas am Outfit ihre Arbeit behindert. Ob etwas zwickt und stört oder es bequem ist und sich angenehm anfühlt.“

Das Wohlbefinden der Kollegen in ihrer Kleidung ist Marlies Kniese ein großes Anliegen. Für sie ist es der Mensch, der der Kleidung letztlich die größte Ausdrucksstärke verleiht. Das klappt aber nur, wenn der Träger sich auch darin wohlfühlen kann. „Die Mitarbeiter sollen gut gekleidet sein, nicht verkleidet“, bringt sie es auf den Punkt.

Und so kann für jeden einzelnen Dorfbewohner aus den Grundelementen und den Accessoires ein Outfit zusammengestellt werden, das nur er alleine trägt. Mit genau den Formen und Farben, Extras und Besonderheiten, die seinen persönlichen Charakter perfekt unterstreichen. Ob rau und kraftvoll, bunt und fröhlich oder sogar feminin und raffiniert – das Kleidungsensemble von Marlies Kniese bietet alle Möglichkeiten, um jeden Mitarbeiter zu einem unverwechselbaren Klugheimer zu machen.

Author

Christina Herrmann