Neue Themenwelt Klugheim

Aus Holz geboren

Text: Christian Buhl
Video: Robert Fülling

Wie ein Bildhauer die mächtigen Drachen von Klugheim aus meterlangen Holzbalken zum Leben erweckt

Thematisierung

Wie Festungen erheben sich die hölzernen Bauten im Schatten der mächtigen Felsen Klugheims. Hier, in der gleichermaßen rauen wie faszinierenden neuen Themenwelt, entsteht ein lebendiges Dorf nach dem Vorbild längst vergangener Kulturen, die tapfer und klug sogar inmitten mächtiger Naturgewalten Schutz und Geborgenheit finden konnten. „In der Architektur von Klugheim spiegeln sich die Einflüsse verschiedener Völker wider, die sich die Vorzüge der Natur clever zunutze machen konnten und den gewaltigen Mächten der Elemente zu trotzen wussten. Deren robuste Bauweise ist genauso die Grundlage für die Bauwerke Klugheims wie ihre kunstvollen Ornamente und mystischen Symbole“, erklärt Annette Pieck. Sie ist seit vielen Jahren als Projektleiterin verantwortlich für die Thematisierungen im Phantasialand. Wenn sie sich auf eine neue Themenwelt vorbereitet, taucht sie gänzlich ein in die Kultur, die die Inspiration dafür liefert. Noch heute steht sie in Kontakt mit dem Kameruner Künstlerdorf, das für die Thematisierung des Hotel Matamba entstanden war. Für die Entwicklung von Klugheim beschäftigte sie sich über Jahre hinweg mit traditioneller Bautechnik und Symbolik: „In Klugheim gibt es viele Ornamente und Drachensymbole. Der Drache ist ja in unzähligen Kulturen seit jeher als mystische Gestalt voller Macht und Kraft verankert, aber auch als Verkörperung von Weisheit und List. Für die Menschen bedeutete er Schutz und Stärke und so fand man ihn oft wie einen wachsamen Schutzpatron auf den Dächern der Häuser.“

Aus Holz für Schiffsmasten und Rammpfähle

So auch in Klugheim. Hier zeichnen die Drachenköpfe auf den Dachfirsten der Holzhäuser eine sinnbildliche Grenze zu Taron, der auf seinem schier unendlichen Schienenlabyrinth mit Donnerhall durch die Lüfte rauscht. Die Kraft und die Aura des Multi-Launch-Coasters wird auch unten im Dorf zu spüren sein – wie die achtsamen Blicke der Drachen auf den Dächern.

Für eine solch mystische wie mächtige Skulptur konnte nur die Natur das Material zur Verfügung stellen. Und so wird jeder einzelne Drachenkopf von Klugheim in Handarbeit aus den meterlangen Holzbalken einer Douglasie geboren. Ein Baum, der besonders gerne in der Seefahrt beim Bau von mächtigen Schiffsmasten oder bei robusten Rammpfählen verwendet wurde. Für den Charakter von Klugheim und die Drachen also das ideale Material.

Der gelernte Holzbildhauer Björn Poppinga ist der „Vater“ der Drachen von Klugheim. Der Hamburger wurde von der Firma Fake mit einem klaren Auftrag ins Phantasialand geholt: Mehr als nur attraktive Dekorationselemente zu bauen. Er ist gekommen, um einzigartige Kunstwerke aus Holz zu schaffen – und um jedem Drachen von Klugheim ein ganz eigenes Wesen zu verleihen. Voller Ausdruck und Charakter, individuell und kraftvoll. Sein Geheimnis ist dabei seine Leidenschaft: Björn Poppinga ist Künstler.

Kunsthandwerk mit Tradition

Solch aufwendige Einzelstücke für einen Freizeitpark zu erschaffen, ist für ihn dabei eine so unerwartete wie freudige Premiere: „Es ist ein tolles Gefühl, hier mit einem so klassischen Kunsthandwerk an der Entstehung der neuen Themenwelt mitzuwirken. Dass sogar die Holzdrachen auf den Dachfirsten dafür in traditioneller Handarbeit erstellt werden, ist wirklich erstaunlich“, findet der erfahrene Holzbildhauer.

Mit großer Kunstfertigkeit und feinsinniger Präzision ruft er die gleichsam starken wie geheimnisvollen Geschöpfe mit genau dem Werkzeug ins Leben, mit dem bereits vor mehr als 500 Jahren Menschen aus mächtigen Baumstämmen Drachenköpfe schufen. Einzig die Kettensäge nimmt ihm heute ein Stück mühevoller Sägerei ab. Seine Vorgehensweise ist dabei so ursprünglich und detailverliebt wie Klugheim selbst. „Bei der Bildhauerei arbeitet man sich von der groben zur feinen Form vor“, berichtet er, während er behutsam mit einer großen Kettensäge dicke Holzstücke aus den Balken schneidet und das Sägeblatt tiefe Umrisse in die Maserung der Douglasie zeichnet. Es duftet nach Holz, während die ersten Späne fliegen und der Drache mit dem Klang der aufheulenden Säge zum Leben erwacht.

Das Feuer gibt dem Holz seinen Charakter

Wie ein Maler den feinen Pinsel benutzt, um einem Kunstwerk Persönlichkeit zu verleihen, nimmt der Bildhauer dann für die feineren Arbeiten die Dechsel zur Hand. Mit jedem kunstvoll gesetzten Hieb entlockt er dem Holz das geheimnisvolle Wesen des Drachens. So viel Kraft diese Arbeit von ihm fordert, so gefühlvoll geht er doch dabei vor. Zähne, Augen und eine Zunge formt er konzentriert Stunde um Stunde aus der Douglasie. Mit jeder zackigen Schuppe lässt sich mehr von der mystischen Kraft erahnen, mit der das mächtige Geschöpf schon bald über Klugheim wachen wird.

Danach verschmilzt der Drache mit Feuer. Jeder Zentimeter der splittrigen Oberfläche wird der Hitze ausgesetzt, die das helle Holz versengt und sich wie ein Schatten über den Drachen legt. „Wir flämmen das Holz ab, um diesen einzigartigen dunklen Farbton zu erreichen, der so ursprünglich wirkt“, erklärt der Bildhauer. „Diese Optik erreicht kein Holzlack der Welt.“

Mit einer Stahlbürste wird die Oberfläche anschließend angeraut und verleiht dem eigensinnigen Wesen des hölzernen Kunstwerks den letzten Schliff – bevor die Naturgewalten in Klugheim sich des Drachens annehmen werden. „Das Holz lebt und wird sich verändern. Aber das ist ja das Tolle an der Arbeit mit diesem Material: Es hat seinen eigenen Charakter“, betont Björn Poppinga.

Und so ist der Drache ein Unikat, das in vielen Stunden hingebungsvoller Handarbeit erwachsen ist – wie jeder andere Drache in Klugheim, der seinen Platz hoch oben auf den Dächern findet. Mit ihrem dunklen Holz verschmelzen sie kunstvoll mit ihrer Umgebung und wachen erhaben über diese mystische Welt, während Taron über sie hinwegfegt und unten im Dorf das Leben pulsiert.

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